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Stecken wir etwa unter einer Decke?

Redensart/Redewendung

RussischPolnischItalienischSpanischFranzösischEnglisch1) unter einer Decke stecken
RussischPolnischItalienischSpanischFranzösischEnglisch2) sich nach der Decke strecken
RussischPolnischItalienischSpanischFranzösischEnglisch3) an die Decke gehen

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Bedeutung

1) mit jemandem gemeinsame Sache machen – mit jemandem insgeheim zusammenarbeiten – mit jemandem in (geheimem) Einverständnis stehen
2) a) eigentlich: seinen (bescheidenen) Verhältnissen entsprechend leben – mit wenig auskommen müssen – bescheiden/sparsam sein müssen – sich einschränken/haushalten müssen
b) seltener und an sich falsch: sich anstrengen – sich Mühe geben – ein Ziel zu erreichen/verwirklichen suchen
3) sehr wütend/zornig/erbost sein – sich aufregen/erregen – einen Wutanfall bekommen – aufbrausen

Herkunft

Unter einer Decke stecken konnten zunächst einmal Braut und Bräutigam. Schon im Mittelalter war die Ehe mit all ihren rechtlichen Folgen erst vollzogen, wenn die frisch Vermählten unter Zeugen (meist nahe Verwandte) unter die gemeinsame Decke des Ehebettes krochen. Neben der Redewendung unter einer Decke stecken zeugen viele alte Rechtssprichwörter von der Bedeutung dieses feierlichen Aktes, z.B. „Ist die Decke über den Kopf, sind die Eheleute gleich reich“ und „Ist das Bett beschritten, ist das Recht erstritten“.[1]

Inwieweit die Zeugen auch alle dem Zudecken nachgelagerten Vorgänge bewundern durften, bleibt an dieser Stelle absichtlich ungeklärt.

BettdeckeAußer Ehepaaren konnten auch Waffenbrüder unter einer Decke stecken. Mittelalterliche Heldenepen beschworen Ideale wie unverbrüchliche Treue und Freundschaft. Die Edelleute überstanden Gefahren Seite an Seite oder Rücken an Rücken, teilten sich Beute und Ruhm. Wenn es sein musste, bspw. bei Platzmangel in der Unterkunft, teilten sie sich auch das Nachtlager und schliefen unter einer Decke. Derart vertraut oder durch die Not zusammengschweißt, hält man auch in allen anderen Angelegenheiten zusammen. Eine solche Freundschaft hält ewig – oder bis eine Frau zum Zankapfel wird.

Beiden Erklärungen wohnt eine überwiegend positive Bedeutung inne, während in heutiger Zeit unter einer Decke stecken in erster Linie mit Küngelei, Vetternwirtschaft, kriminellen Machenschaften und dergleichen mehr in Verbindung gebracht wird.

Bei der Redewendung sich nach der Decke strecken werden geschätzte 90% der Leser an eine Zimmerdecke denken, nach der es sich zu strecken gilt. Zu diesem Zweck müsste man sich schon ziemlich lang machen. Doch wie die Bedeutung dieser Redensart schon vermuten lässt, war und ist genau das Gegenteil gemeint. Sich nach der Decke strecken meinte ursprünglich, sich nur so lang machen, wie die Bettdecke reicht, damit die Füße nicht herausschauen und frieren. Oder wie es Goethe ausgedrückt hat:

„Wer sich nicht nach der Decke streckt,
dem bleiben die Füße unbedeckt.“

Womöglich ist es nur eine Frage der Zeit, bis sich die Bedeutung im allgemeinen Sprachgebrauch endgültig gewandelt hat; zu nahe liegt der Gedanke an die Zimmerdecke, zu eindeutig scheint das Wort strecken. Sich nach der (Zimmer)Decke strecken im Sinne von „sich Mühe geben, sich anstrengen“ passt zu gut, als dass die Redewendung nicht so verstanden werden kann und auch wird. Es lassen sich bereits genügend Beispiele für diese inhaltlich logische, aber eigentlich falsche Verwendung finden. Es sei nur eines angeführt:

„Köln muss sich allerdings finanziell mächtig nach der Decke strecken, um das Comeback von Volksheld Prinz Poldi im Geißbock-Trikot zu bewerkstelligen.“[2]

Hier wird die Redensart eindeutig im Sinne von Anstrengung, Mühe, Anspannung gebraucht.

An die Decke gehen meint zweifelsfrei die Zimmerdecke, die verhindert, dass man vor Wut noch weiter in die Luft geht. Dass es sich bei dieser Redensart um eine Ableitung von in die Luft gehen (gleiche Bedeutung) handelt, kann lediglich vermutet werden. An die Decke gehen, das bietet sich in geschlossenen Räumen an, während sich in die Luft gehen unter freiem Himmel besser macht, zumal man dabei an eine Explosion denken kann.

Erstaunlicherweise sind es des Öfteren gerade verhältnismäßig junge Redewendungen, die sich einer eindeutigen Klärung ihrer Herkunft entziehen. Ein klassisches Beispiel ist die oft bemühte Arschkarte.

Bleibt zu hoffen, dass Ihnen beim Lesen des Artikels nicht vor Langeweile die Decke auf den Kopf gefallen ist. Sie müssen ja nicht gleich vor Freude an selbige springen. Wichtig ist vor allem, dass Sie auch in Zukunft gewissermaßen unter die Decke schauen und auskundschaften, was sich hinter und unter unseren Redewendungen verbirgt.

[1] Vgl. z.B. Graf, Eduard & Dietherr, Mathias: Deutsche Rechtssprichwörter, Verlag der C.H. Beck´schen Buchhandlung, Nördlingen 1864, S. 140
[2] Zitiert nach einem Artikel der Nachrichtenagentur Sport-Informations-Dienst (SID) vom 19.01.2009. Den ganzen Artikel kann man nachlesen auf de.fifa.com.

Beispiele

1) „Was gestern erlaubt war, macht uns heute zu Kriminellen, und die stecken ja bekanntlich unter einer Decke.“
„Die lokalen Regierungen, die eigentlich für Recht sorgen sollen, stecken mit den Unternehmen oft unter einer Decke oder sind deren Besitzer.“
Die Ermittler werden wohl auch weiterhin nichts finden, weil alle unter einer Decke stecken und dichthalten.“
2) „Aber das unablässig von Geldnöten geplagte Theater muss sich auch weiterhin nach der Decke strecken.“
3) „Zu seinen Eigenheiten gehört, dass er verdammt schnell an die Decke gehen kann, wenn ihm etwas nicht in den Kram passt.“
„Langschläfer gehen an die Decke, wenn der Nachbar pünktlich zum Frühstück den Rasenmäher anwirft.“

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