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Hausen wie die Vandalen

Redensart/Redewendung

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Bedeutung

mutwillig Schaden anrichten – etwas blindwütig zerstören – etwas verwüsten – sich völlig unzivilisiert benehmen

Herkunft

Die Vandalen waren ein germanisches Volk, das während der Völkerwanderung die Schwäche des Weströmischen Reiches ausnutzte und im Jahr 455 unter König Geiserich Rom einnahm und gründlich plünderte. Schon in den vorangegangenen Jahrzehnten hatten die Vandalen andere Landstriche des Reiches geplündert, verwüstet oder gleich ganz erobert (z.B. die Provinz Africa und Teile Galliens).

Dabei waren die Vandalen allerdings teilweise gleichermaßen Opfer wie Täter, waren sie (und andere Stämme wie die Alanen oder Sueben) doch von den von Osten her vordringenden Goten aus ihren angestammten Gebieten verdrängt worden, weil die Goten ihrerseits von den Hunnen verscheucht worden waren. Trotzdem übten natürlich auch Reichtum und Kultur des römischen Imperiums einen gewissen Reiz aus. Schließlich waren die Vandalen nicht die ersten, die im Römischen Reich ihr Glück suchten. Schon seit Jahrhunderten musste sich Rom der Angriffe der „Barbaren“ erwehren.

zerstörte TelefonzelleDer Vorwurf aber, die Vandalen und ihre Verbündeten hätten in Rom geplündert, gemordet, gebrandschatzt und zerstört wie sonst niemand vorher und hinterher, ist zum Teil ungerechtfertigt. Sicherlich waren die Eroberer in ihrem Drang nach Beute nicht zimperlich, doch aus der Art dessen, was damals bei der Eroberung von Städten üblich war, schlugen sie nicht. Zwar wurden der römische Staat und die Bewohner Roms um Unmengen an Gold, Silber und sonstigen Wertgegenständen erleichtert, aber in Sachen Bausubstanz blieb die Stadt weitgehend unversehrt. Einige antike Quellen vermitteln sogar den Eindruck, dass die Vandalen noch verhältnismäßig gesittet vorgegangen sind.

Dass die Römer selbst nicht immer so gnädig mit ihren Feinden umgesprungen waren, mag das Stichwort Karthago in Erinnerung rufen. Hausen wie die Vandalen erscheint in diesem Zusammenhang fast noch als Untertreibung. Wie hat es Bertolt Brecht ausgedrückt?

„Nach dem ersten Krieg war Karthago noch mächtig,
nach dem zweiten noch bewohnbar,
nach dem dritten nicht mehr auffindbar.“

Wer hat nun den Vandalen den zweifelhaften Ruf verpasst, blindwütige Zerstörer zu sein, zu zerstören um des Spaßes am Kleinhauen willen? Es war der Bischof von Blois, Henri Baptiste Gregoire. In seinen schriftlichen Berichten an den Konvent von Paris prangerte er 1794 mit dem Begriff Vandalismus das blindwütige Zerstören und Morden der radikalen Jakobiner während der Französischen Revolution an (Stichworte: Terrorherrschaft, Robesspierre, Königsmord). Diese in hoher Auflage gedruckten Berichte gaben dem schon einige Zeit mit schwankender Bedeutung verwendeten Begriff Vandalismus seine endgültige inhaltliche Gestalt.

Ob der Bischof bei seinem Gleichnis tatsächlich die viel zitierte, weil spektakuläre, aber doch wohl einigermaßen „zivilisiert“ ablaufende Eroberung Roms vor Augen hatte, ist allerdings nicht unumstritten. Als Franzose könnte er sich auch gut auf die ungleich drastischeren Eroberungszüge der Vandalen in Gallien zu Beginn des fünften Jahrhunderts berufen haben (wollen).

Mit dem im Lauf des 19. Jahrhundert erstarkenden nationalen Selbstbewusstsein der Deutschen wurde der Begriff Vandalismus nebst abgeleiteter Redewendung hausen wie die Vandalen regelrecht zum sprachlichen Politikum. Ein Deutscher mit rechter (im doppelten Sinne) nationaler Gesinnung konnte es nicht widerspruchslos hinnehmen, dass ein germanisches Volk einen so schlechten Ruf angehängt bekommen hatte – noch dazu von einem Franzosen! So heißt es bspw. in einem Artikel der „Deutschen Zeitung“ vom 21. September 1920:

„Die Wandalen waren keine gewalttätigen, rohen Räuberbanden, sondern im Gegenteil ein vornehmes, ganz besonders sittenstrenges germanisches Volk. […] Der Schimpf ist dem Wandalennamen erst angetan worden von französischer Gehässigkeit. […] Denn leider müssen wir es gerade jetzt immer wieder erleben, daß auch bewußt völkische Zeitungen […] wieder und wieder den Ehrennamen der Wandalen durch die polnischen Roheiten oder die Schandtaten der schwarzen Franzosen beschmutzen.“

Verdammt starker Tobak, der selbst als rein veranschaulichendes Zitat schon grenzwertig erscheint.

Ach ja, die Vandalen … Vom Glück verfolgt waren sie nicht. Wo immer sie Siege errangen, sich niederließen, staatsähnliche Gebilde errichteten, war ihre Ruhe nur von kurzer Dauer – ob nun in „Italien“, in „Spanien“ oder in Afrika. Mitte des sechsten Jahrhunderts tauchen die Vandalen letztmalig als eigenständiges Volk in den Quellen auf. Ihr letzter König Gelimer starb als Gefangener des oströmischen Kaisers.

Beispiele

„In ihrem Lager im antiken Babylon, südlich von Bagdad, haben die us-amerikanischen Soldaten offensichtlich gehaust wie die Vandalen.“
„Vollends in finanzielle Schwierigkeiten geriet er, nachdem Einbrecher in seinem Laden wie die Vandalen gewütet hatten.“
„Zum Ärger des Vermieters hatte die alleinerziehende Mutter gehaust wie eine Vandalin.“
Hausen wie die Vandalen, das ist doch alles, was die können!“
„Wie die Vandalen hausten vermutlich jugendliche Einbrecher über die Osterfeiertage in einer Bremer Schule.“

Wissenswertes

Graffiti

Genau genommen zählt auch das schönste Graffiti als Vandalismus, sofern es ohne Einwilligung des Eigentümers des jeweiligen Untergrundes gesprüht wurde. In den meisten Fällen handelt es sich bedauerlicherweise ohnehin um das fantasielose Schmieren von Namenszügen ohne jeden künstlerischen oder geistigen Anspruch und Wert. So zumindest sieht es die breite Öffentlichkeit.

Hausen wie die Vandalen
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