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Was sind Redensarten eigentlich?

Redensarten, Redewendungen, Sprichwörter – eine kleine Begriffskunde

Der Einfachheit halber ist auf diesen Seiten immer nur von Redensarten die Rede. In einigen Fällen ist das nicht zur Gänze korrekt, aber www.redensarten-redewendungen-und-sprichwörter.de wäre wohl etwas unpraktisch. Für alle, die es auch auf der theoretischen Ebene etwas genauer wissen möchten, will ich nachfolgend die inhaltlichen Unterschiede zwischen den einzelnen Begriffen grob umreißen.

Also: Was sind Redensarten?

Bei (sprichwörtlichen) Redensarten handelt es sich um bildhafte Wendungen, deren Bestandteile zwar weitgehend untrennbar miteinander verbunden, aber – im Gegensatz zu Sprichwörtern – in ihrer Form nicht völlig erstarrt sind und für sich keinen vollständigen Satz ergeben. Sie können und müssen daher dem jeweiligen Satzzusammenhang angepasst werden.

Zudem bestehen Redensarten aus mindestens zwei Wörtern mit tragender Bedeutung. Zu dieser Inhaltswörter genannten Gruppe gehören z.B. Substantive. Nicht ins Gewicht fallen hingegen Funktionswörter wie „zu“ oder „auf“, die in einem Satz keine Inhalte vermitteln.

Diese Bedingung erfüllen einige auf redensarten.net aufgeführte Wendungen nicht. Bei denen handelt es sich streng genommen nicht um Redensarten, sondern eher um zusammengesetzte Wörter (Komposita). Dies trifft bspw. auf den Quantensprung zu.

Wer die Bedeutung einer Redensart nicht kennt, kann sie sich oft nur schwer bzw. überhaupt nicht erschließen. Man könnte sagen, dass der Sinngehalt einer Redensart größer ist als die Summe ihrer Bestandteile. Für Muttersprachler ist das aber im Normalfall kein Problem. Durch zahlreiche Wiederholungen haben sich die Redensarten und ihre Bedeutung als Ganzes in unser Gedächtnis eingeprägt.

Wie entstehen Redensarten?

Der Möglichkeiten gibt es viele. So hat sich bspw. manche Wendung aus der griechisch-römischen Antike erhalten, z.B. in Form von Fabeln, Theaterstücken und Sagen (seinen Obolus entrichten. Eine schier endlose Zahl an Redensarten verdanken wir der Bibel, insbesondere der Übersetzung Martin Luthers (sein Scherflein beitragen. Viele Wendungen sind auch aus den Sprachen bestimmter sozialer Kreise und Berufsgruppen in die Allgemeinsprache übergegangen. Hierfür sind Jäger und Soldaten gute Beispiele (durch die Lappen gehen) und sich am Riemen reißen). Eine weitere Quelle stellt die mittelalterliche Rechtsprechung dar, aus deren Sprache und Tat viele Redensarten entstanden sind (Brief und Siegel geben). Natürlich haben auch berühmte und auch heute nicht mehr ganz so bekannte Dichter und Schriftsteller ihr Scherflein beigetragen, ob nun Shakespeare (Morgenluft wittern) oder Goethe (roter Faden) oder ein weitgehend in Vergessenheit geratener Adolf Glaßbrenner (höchste Eisenbahn).

Und Redewendungen?

Redewendungen sind den Redensarten sehr ähnlich. Oft werden beide Bezeichnungen auch synonym verwendet. In der Praxis ist eine eindeutige Zuordnung oft unmöglich. Schon in der Theorie sind die Unterschiede recht gering, sodass hier auf eine Darlegung verzichtet wird. Sie würde eher Verwirrung stiften als etwas verdeutlichen.

Sprichwörter und die Unterschiede zu Redensarten

Sprichwörter, die Sie hier nur in Ausnahmefällen finden werden, sind vollständige Sätze in unveränderlicher Form, die sich oft sogar reimen. „Was Du heute kannst besorgen, das verschiebe nicht auf morgen.“ können Sie nicht in Zeit- oder Personalform verändern, ohne es zu entstellen. „Was ich vorgestern konnte besorgen, verschob ich nicht auf gestern.“ klingt in Ihren Ohren sicher genauso falsch, wie es auch ist. Ein weiterer Unterschied zu den Redensarten/Redewendungen liegt darin, dass sich der Inhalt von Sprichwörtern meist problemlos erschließen lässt. Man muss nicht zwischen den Zeilen suchen, was gemeint ist. Bei „Eile mit Weile“ gibt es kein Sinnbild, das Sie erst entschlüsseln müssen. Es ist genau das gemeint, was das wörtliche Verständnis ergibt.

Sprichwörter beinhalten oft Erfahrungen, Lebensregeln, Warnungen und ähnliche Weisheiten. Das hat u.a. zur Folge, dass sich zu vielen Sprichwörtern ein anderes finden läßt, welches das genaue Gegenteil ausdrückt. Im Fall „Eile mit Weile“ denke man an „Wer rastet, der rostet.“

Phraseologie

Das Teilgebiet der Sprachwissenschaft, das sich mit den hier genannten und noch weiteren Wortverbindungen unserer (und sonstiger) Sprache beschäftigt, nennt man – u.a. – Phraseologie. Es kann gut sein, dass ob meiner „volkstümlichen“ Ausführungen der eine oder andere Phraseologe die Hände über dem Kopf zusammenschlägt oder sich gar die Haare rauft. Und das ist auch gut so! Seit 40 Jahren ringen Phraseologen vergeblich um halbwegs verbindliche Begriffsbestimmungen und Abgrenzungen. Dieses Hickhack um „Formalien“ macht es gewiss nicht leichter, einen Außenstehenden für dieses Fachgebiet zu interessieren.

Buchempfehlungen

Wer sich einen ersten groben Überblick auf einer wissenschaftlicheren Ebene als hier verschaffen will, dem sei das Büchlein von Elke Donalies empfohlen:

Basiswissen Deutsche Phraseologie

Diese Einführung überfordert den Leser nicht mit Fachbegriffen und unnötigen Details, besticht darüber hinaus durch einen sehr ansprechenden Schreibstil und eine gelungene Gestaltung.

Deutlich höhere Ansprüche an den Leser stellt Harald Burger, der sein Werk trotzdem als Einführung bezeichnet:

Phraseologie: Eine Einführung am Beispiel des Deutschen

Auch wenn sich der Autor um Verständlichkeit bemüht, muss darauf hingewiesen werden, dass dies kein Buch zum oberflächlichen und vergüglichen Lesen ist, sondern einen ersten systematischen, wissenschaftlichen Ansprüchen genügenden Zugang zur Phraseologie bieten soll. Das geht nicht ohne zahlreiche Fachbegriffe und humorloses Wissenschafts-Deutsch. Als Wiedergutmachung bekommen Sie ein Werk, das dem Leser alles Wesentliche der Phraseologie vermittelt.

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