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Wie die Faust aufs Auge passen – oder doch nicht?

Redensart/Redewendung

RussischPolnischItalienischSpanischFranzösischEnglisch1) wie die Faust aufs Auge passen
RussischPolnischItalienischSpanischFranzösischEnglisch2) mit der Faust auf den Tisch schlagen/hauen
RussischPolnischItalienischSpanischFranzösischEnglisch3) die Faust/Fäuste in der Tasche ballen
RussischPolnischItalienischSpanischFranzösischEnglisch4) die Faust im Nacken spüren
RussischPolnischItalienischSpanischFranzösischEnglisch5) (etwas) auf eigene Faust handeln (tun/machen/versuchen)

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Bedeutung

1) a) Ursprünglich: überhaupt/ganz und gar nicht passen – einander völlig ausschließen
b) Mittlerweile aber auch bzw. sogar überwiegend: sehr gut/ausgezeichnet/genau (zusammen)passen – wie füreinander bestimmt sein
2) Energisch auftreten/vorgehen – sich Gehör verschaffen – sich durchsetzen (wollen) – wütend werden
3) Sich (insgeheim) über etwas/jemanden ärgern – jemandem (heimlich) drohen – (Wut/Zorn/Erbitterung gegen jemanden verbergen)
4) Unter Druck stehen – handeln müssen – in Bedrängnis sein
5) Etwas selbständig/in eigener Verantwortung/auf eigene Gefahr/nach eigenem Ermessen tun/machen/versuchen

Herkunft

Passen wie die Faust aufs Auge – gegensätzlicher können die Bedeutungen einer Redewendung kaum sein. Passt etwas, passt es nicht? Wenn man ein wenig um die Ecke denkt, lässt sich die eine und erste Bedeutung schon aus dem sprachlichen Zusammenwürfeln unseres empfindlichsten Organs und der eher Boxergrobschlächtigen Faust ableiten. Eine teure Schweizer Taschenuhr würde man – im Normalfall – schließlich auch nicht mit Hammer und Meißel bearbeiten. Zudem hinterlassen „Zusammentreffen“ von Faust und Auge zumindest bei letzterem schmerzhafte Spuren.

Und trotzdem! Passt unserer Tage etwas wie die Faust aufs Auge, wollen wir damit oft zum Ausdruck bringen, dass etwas derart gut zueinander passt, als wäre es füreinander geschaffen worden. Aber was heißt unserer Tage?! Diese sogenannte Bedeutungserweiterung lässt sich ohne große Mühe bis ins 18. Jahrhundert zurückverfolgen[1], auch wenn die tatsächlichen Gründe dafür im Dunkeln bleiben. Möglicherweise liegt dieser zweiten Bedeutung der Gedanke zugrunde, dass die nach außen gekrümmte (konvex) Faust „wunderbar“ in die nach innen gekrümmte (konkav) Augenhöhle passt, wie mancherorts angedacht wird.[2] Denkbar ist auch, dass die Wendung so oft ironisch (Ironie – das Gegenteil sagen von dem, was man meint) gebraucht wurde, bis aus der Ironie Ernst wurde. Diese Ansicht vertritt u.a. der Duden Redewendungen.[3]

Im Zweifelsfall wird Ihnen nichts Anderes übrigbleiben, als aus dem Zusammenhang zu erschließen, welche Bedeutung gerade gemeint ist.

Bei der Redewendung auf eigene Faust schimmert durch, dass die Faust als Zeichen der Kraft, aber auch der Macht galt – und das nicht nur auf der oberflächlichen Ebene nackter körperlicher Gewalt. Zudem wurde Faust oft gleichbedeutend mit Hand verwendet, so dass viele Dinge, die wir heute ausschließlich in der Hand halten, früher genauso gut in der Faust gehalten werden konnten.

Übrigens: Gehören Sie zu denen, die konvex und konkav immer wieder verwechseln? Eselsbrücken helfen!

Alle Anhänger des Boxens sollten nicht das Handtuch werfen, sondern sich den Artikel zur Redewendung mit harten Bandagen kämpfen durchlesen.

1) Ein ohne bestimmten Zweck herausgegriffenes, aber seitens des Verfassers als schick empfundenes Beispiel: „Ich rate dir eben, daß du dir die Sprüchwörter abgewöhnen sollst, und in demselben Augenblicke betest du eine ganz Litaney her, die sich ebenso hieher schicken wie die Faust aufs Auge.“ (Tieck, Ludwig: Leben und Thaten des scharfsinnigen Edlen Don Quichote von la Mancha, Berlin 1801, Bd. 4, S. 109 f.); Ganz nebenbei klingt bei diesem Zitat an, dass die Redensart ursprünglich „sich schicken/reimen wie die Faust aufs Auge“ lautete.
2) Vgl. u.a. Eggs, Frederike: Die Grammatik von als und wie, Tübinger Beiträge zur Linguistik, Bd. 496, Gunter Narr Verlag, Tübingen 2003, S. 156
3) Duden, Bd. 11, Redewendungen, 2. Aufl., Dudenverlag, Mannheim – Leipzig – Wien – Zürich 2002, S. 567

Beispiele

1) a) „Die neuerlichen Sparmaßnahmen bei Oper und Theater passen wie die Faust aufs Auge der Kultur, hinterlassen mehr als nur ein blaues Auge und gleichen einem Kahlschlag.“
b) „Auf Kreuzberg paßt die Bezeichnung sozialer Brennpunkt wie die Faust aufs Auge.“
2) „Vermutlich hätte der Trainer häufiger mit der Faust auf den Tisch hauen sollen.“
3) „Fürs Erste blieb ihm nicht mehr, als die Fäuste in der Tasche zu ballen.“
4) „Der eigenwillige Manager, einst mit vielen Lobreden bedacht, spürt nun die Faust im Nacken.“
5) „Das Auswärtige Amt warnt Angehörige von Vermissten weiterhin davor, auf eigene Faust ins Katastrophengebiet zu reisen.“

Wie die Faust aufs Auge passen – oder doch nicht?
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Ein Kommentar (immerhin)

  1. Zu der Bedeutung: wie die Faust aufs Auge passen…
    Mir fiel in den letzten Jahren auf, dass die Mitmenschen diesen Begriff verwenden im Sinne von Zueinanderpassen.
    Ich dachte mir immer, die Leute haben den Sinn der Redewendung nicht begriffen – zwischenzeitlich wurde die Redewendung im TV ebenso für Dinge, die sich ergänzen, angeführt. Aufgrund der obigen Erklärung wurde der Widerspruch bestätigt.
    Ich persönlich finde die althergebrachte Variante nachvollziehbarer…denn Bitte WER will schon eine Faust aufs Auge bekommen? Für mich ist optisch keine positive Ergänzung sichtbar – hoffentlich wird der Sinn der Redewendung entsprechend korrigiert!
    Mfg
    H.Z.

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