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Wie Zieten aus dem Busch

Redensart/Redewendung

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Bedeutung

plötzlich und unerwartet auftauchen – überraschend geschehen

Herkunft

Der preußische Reiterführer Hans Jochim von Zieten (auch Ziethen, 1699 – 1786) hatte sich den Ruf erworben, schnell, entschlossen und für den Feind unerwartet anzugreifen. Mit seiner leichten, beweglichen Kavallerie (Husaren) versuchte er beharrlich, das Überraschungsmoment für seine Zwecke zu nutzen. Gelegenheit hierzu hatte er genug, da Preußen in eine ganze Reihe von Kriegen verwickelt war oder diese selbst angezettelt hatte. Da waren die Auseinandersetzungen mit Österreich (1740 – 42 und 1744/45) und auch der Siebenjährige Krieg (1756 – 63). Zietens schnelle und überraschende Angriffe mit kleinen Einheiten, oft auch weit hinter den feindlichen Linien, mit ebenso schnellem Rückzug trugen ihm den durchaus ehrenvollen Beinamen Zieten aus dem Busch ein.

Verschiedentlich wird die Redensart aber auch mit einer ganz bestimmten Schlacht des Siebenjährigen Krieges in Verbindung gebracht, nämlich der von Torgau am 3. November 1760. Nach misslungenen preußischen Angriffen auf die gut gewählten Stellungen der Österreicher konnte Zieten in der Abenddämmerung nach einem Ritt durch ungünstiges Gelände wichtige Stellungen der Österreicher erobern und der Schlacht die entscheidende Wende geben, an die Friedrich II. schon nicht mehr geglaubt hatte und die auch die siegesgewissen Österreicher nicht für möglich gehalten hatten.[1][2] Die Schlacht von Torgau war für Zieten aus dem Busch einer der größten Erfolge seiner an Siegen nicht gerade armen Laufbahn.

Dabei sah es anfänglich nicht so aus, als würde sich Zietens Wunsch nach einer Laufbahn als Offizier erfüllen. Der preußische König Friedrich Wilhelm I. (der Soldatenkönig) hielt den kleinen, zierlichen Zieten mit der zarten Stimme für untauglich, größere Einheiten anzuführen. Zieten fühlte sich übergangen. Zudem musste er sich wegen seiner nicht gerade Ehrfurcht gebietenden Erscheinung des Öfteren verletzende Bemerkungen anderer Offiziere anhören. Als Folge focht er einige Duelle mit anderen Offizieren und sogar Vorgesetzten aus und musste Strafen wegen Ungehorsams verbüßen. Erst Friedrich II. (Friedrich der Große, der Alte Fritz) legte mehr Wert auf dessen außergewöhnliche strategische Talente und menschlichen Vorzüge. Gerade weil Zieten im Umgang mit Untergebenen zwar streng, aber gerecht und maßvoll war (er lehnte bspw. die Prügelstrafe grundsätzlich ab), gelang es ihm, die traditionell als aufsässig und für den Kampf als wenig wertvoll geltenden Husaren unter bzw. hinter sich zu einen und in gefürchtete und schlagkräftige Einheiten zu verwandeln.

Neben anderen Dichtern wie Hoffmann von Fallersleben griff auch Theodor Fontane (1819 – 1898) die zu seiner Zeit offensichtlich noch geläufige Redewendung im Gedicht „Der alte Zieten“ (1847) auf. So lautet dessen letzte Strophe:

Zieten„Und als die Zeit erfüllet
Des alten Helden war,
Lag einst, schlicht eingehüllet,
Hans Zieten, der Husar.
Wie selber er genommen
Die Feinde stets im Husch,
So war der Tod gekommen,
Wie Zieten aus dem Busch.“

Zum besseren Verständnis sei noch angemerkt, dass das Wort Busch früher nicht wie in heutiger Zeit ausschließlich im Sinne von einem einzeln stehenden Strauch oder etwas herablassend und umgangssprachlich für Dschungel und unbebautes Land allgemein gebraucht wurde, sondern (insbesondere in nördlichen Gegenden) auch kleinere Wälder bezeichnete.

Wie Zieten aus dem Busch gehört zu einer kleinen Gruppe von besonderen Redensarten, welche vor allem vom 18. Jahrhundert bis zum Ende des Napoleonischen Zeitalters herausstechende Taten und Eigenschaften von hochrangigen, überwiegend preußischen Adligen und Militärs aufgreifen, um etwas anschaulich auszudrücken. Gemeinsam ist ihnen ebenfalls, dass sie in irgendeiner Art und Weise den Namen der die Vorlage abgebenden Person zum Bestandteil haben. Die meisten dieser Redewendungen waren zu Lebzeiten der sinnstiftenden Persönlichkeit und auch noch lange Zeit nach deren Tod wenigstens regional sehr bekannt und beliebt, sind aber mittlerweile weitgehend oder gar völlig dem Vergessen anheimgefallen. Neben dem alten Zieten lassen sich dieser Gruppe u.a. rangehen wie Blücher (an der Katzbach), seinen Friedrich Wilhelm unter etwas setzen und etwas für den Alten Fritz machen zuordnen.

[1] Vgl. u.a. Schrader, Herman: Der Bilderschmuck der deutschen Sprache in Tausenden volkstümlicher Redensarten, 7. Auflage, Verlag Emil Felber, Berlin 1912, S. 280.
[2] Allerdings deuten ältere und ausführliche Darstellungen der Schlacht nicht unbedingt darauf hin, dass die Redensart wirklich auf diese eine Schlacht zurückgeht. Erstens hielt Zieten entgegen seiner sonstigen Entschlossenheit sehr und nach Meinung seiner Generäle zu lange am Befehl des Königs, seine Stellung zu halten, fest. Zweitens gab es wohl einige Teiche und Gräben sowie Bäume als Hindernisse, aber von einem abenteuerlichen Ritt und einem völlig überraschenden Auftauchen Zietens ist nicht die Rede. Zumal Zietens Truppen die österreichischen Stellungen in mehreren Etappen eroberten, und weniger in einem einzigen Handstreich. Vgl. hierzu u.a. Wittje, G.: Die wichtigsten Schlachten, Belagerungen und verschanzten Lager vom Jahre 1708 bis 1855, Bd. 1, Wintersche Verlagshandlung, Leipzig und Heidelberg 1861, S. 48 ff.

Beispiele

„All die Zeit gab es keinerlei Schwierigkeiten, aber seit letztem Monat kommen die wie Zieten aus dem Busch.“
„Wir waren verärgert darüber, dass diese Forderungen kamen wie Zieten aus dem Busch.“
„Die dreisten Räuber kamen wie Zieten aus dem Busch.“
„Der ideale Konter kommt wie Zieten aus dem Busch und für den Gegner völlig unerwartet.“
„Während der Aufsichtsrat noch fassungslos schwieg, meldete Schwieling wie Ziethen aus dem Busch eigene Ansprüche auf die Nachfolge an.“

Wissenswertes

Zieten schläft bei Tisch.

Über Zieten gibt es noch weitere Geschichten und Geschichtchen. Lassen wir noch einmal Fontane zu Wort kommen:

Der Friede war geschlossen;
Doch Krieges Lust und Qual,
die alten Schlachtgenossen
durchlebten´s noch einmal.

Wie Marschall Daun gezaudert,
und Fritz und Zieten nie,
es ward jetzt durchgeplaudert
bei Tisch in Sanscouci.

Einst mocht´ es ihm nicht schmecken,
und sieh, der Zieten schlief.
Ein Höfling will ihn wecken
der König aber rief:

„Laßt schlafen mir den Alten!
Er hat in mancher Nacht
für uns sich wach gehalten,
der hat genug gewacht!“

Wie Zieten aus dem Busch
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