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Einen Zahn zulegen

Redensart/Redewendung

RussischPolnischItalienischSpanischFranzösischEnglischeinen Zahn zulegen (seltener: einen Zacken zulegen)

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Bedeutung

schneller werden – die Geschwindigkeit erhöhen – das Tempo steigern (bei Fortbewegung oder Arbeit) – sich beeilen – sich steigern

Herkunft

Die Redewendung einen Zahn zulegen hängt möglicherweise mit Motoren, Maschinen und Fortbewegungsmitteln zusammen. Da sind sich verschiedene Quellen halbwegs einig. Mit dieser allgemeinen Feststellung enden aber auch schon die Gemeinsamkeiten, und es beginnt der Meinungsstreit über den genauen Ursprung. So wird die Redensart bspw. ganz allgemein auf Motoren/Maschinen zurückgeführt, deren Drehzahl sich (nur) stufenweise regeln ließ und bei denen der entsprechende Hebel zum Erhöhen der Drehzahl in eine andere/höhere Stellung eingerastet werden musste.

Ein Beispiel hierfür wären ganz alte Autos, die kein Gaspedal hatten, sondern einen Handgashebel. Dieser wurde wurde von einer Art Zahnkranz in der gerade gewünschten Stellung gehalten.[1] Ähnlich ungenau klingt der Versuch, die Wendung mit dem Zahnradgetriebe eines Automotors zu erklären. Will man schneller fahren, schaltet man bekanntlich in einen höheren Gang, ändert dadurch die Übersetzung – und legt einen bzw. mehrere Zähne zu.

Auf der technischen Ebene ganz ähnlich, aber etwas abenteuerlicher klingt eine Herleitung aus dem Bereich Militärflugwesen. Bei Jagdflugzeugen aus der Zeit des Ersten Weltkrieges regelte der Pilot Gas und Geschwindigkeit über eine Stange, die an der Unterseite mit Zähnen versehen war und die – Sie kennen das Prinzip bereits – in der gerade benötigten Stellung in ein passendes Gegenstück eingerastet wurde.[2]

Welche Deutung nun auch stimmen mag: Nachdem man einen Zahn zugelegt hatte, durfte man mit Fug und Recht behaupten, einen ganz schönen/tollen Zahn draufzuhaben, bei besonderem Übermut sogar einen Affenzahn.

Mittelalterliche Kochstelle mit SägehalWeniger technisch und trotzdem schwieriger in Worte zu fassen ist eine weit verbreitete Erklärung, die den Ursprung der Redewendung bis in die mittelalterliche Küche zurückverlegt, in der man noch über offenem Feuer kochte. Von einer Querstange über der Kochstelle hingen Ketten oder Stangen herab. In die wurden eiserne Zahnstangen eingehängt, die man sich als große, stumpfe Sägeblätter vorstellen kann. Diese Zahnstangen hatten unten einen Haken, in die Koch oder Köchin die Kessel einhängen konnte. Je nach dem gewählten Zacken war der Abstand zum Feuer größer oder auch kleiner, kochte das Süppchen (oder was auch immer) langsamer oder schneller. Waren die Mägen hungrig und ungeduldig, so dass Koch oder Köchin einen Zahn zulegen musste, hängte er/sie das Sägeblatt samt Kessel einen Zacken tiefer, also näher ans Feuer.

Falls Sie es ganz genau wissen wollen: Nicht der Kessel allein wurde einen Zahn höher oder niedriger gehängt, sondern die ganze Zahnstange samt Kessel. Viele Erklärungen drücken sich in diesem Punkt missverständlich aus. Schauen Sie sich bitte die Zahnstange auf dem Bild an! Die Zähne zeigen nach unten. Man kann dort also keinen Kessel einhängen. Etwas schwer zu erkennen ist der Eisenring an der von oben herabhängenden Stange (in Höhe des braunen Topfes), in dem das Sägeblatt hängt.

[1] So z.B.: Duden, Bd. 11, Redewendungen, 2. Auflage, Dudenverlag, Mannheim u.a. 2002, S. 892
[2] Vgl. Krüger-Lorenzen, Kurt: Deutsche Redensarten und was dahinter steckt, 7. Auflage, Wilhelm Heyne Verlag, München 2001, S. 765

Beispiele

„Nach dem enttäuschenden Unentschieden im Hinspiel muss die Mannschaft mindestens einen Zahn zulegen, will sie doch noch in die nächste Runde einziehen.“
„Für einen Sieg musste Magdalena Neuner in der Schlußrunde noch einen Zahn zulegen – und das tat sie auch.“
„Wir können den Aufstieg noch schaffen, wenn wir in der Rückrunde ein paar Zähne zulegen.“
„Wir glauben, dass wir bei der kommenden Wahl einen ordentlichen Zacken zulegen können.“

Einen Zahn zulegen
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