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In Acht und Bann – eine Art Höchststrafe

Redensart/Redewendung

RussischPolnischItalienischSpanischFranzösischEnglisch(jemanden) in Acht und Bann (tun)

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Bedeutung

jemanden aus einer Gemeinschaft ausschließen/verstoßen – jemandem alle Rechte entziehen – jemanden scharf verurteilen

Herkunft

Jemanden in Acht und Bann tun meint eigentlich das Belegen mit der Reichsacht und dem Kirchenbann. Mit der Acht straften Könige/Kaiser bspw. solche Missetäter, die den Frieden im Reich störten. Aber auch Ketzerei wurde so geahndet. Wer mit der Acht gestraft wurde, war seines Lebens nicht mehr sicher. Jedermann durfte ihn töten, ohne eine Strafe befürchten zu müssen. Niemand war ihm mehr zu Diensten oder Treue verpflichtet.

Einer der Grundgedanken der Acht war, die Hilfe der Rechtsgemeinschaft in Anspruch zu nehmen, wenn Urteile nicht durch die zuständigen Stellen durchgesetzt werden konnten, weil der Übeltäter nicht vor Gericht erschienen war und sich auch dem Urteil nicht stellte.

Immerhin konnte der (nur) Geächtete noch im Schoß der Kirche Schutz suchen. Das hatte sich allerdings erledigt, sobald auch der Kirchenbann über ihn verhängt wurde. Seit dem frühen 13. bis in die Mitte des 16. Jahrhunderts hatte der Kirchenbann in dem Sinne Vorrang, dass ihm die Reichsacht automatisch folgte.

Acht und Bann bedeutete also den vollständigen Ausschluss aus der weltlichen und kirchlichen Gemeinschaft. Wer einem solchen Aussätzigen half, machte sich selbst strafbar.

Es gibt einige sehr berühmte Geächtete, z.B. einen gewissen Martin Luther, der 1521 durch das Wormser Edikt wegen Ketzerei geächtet wurde. Schon ein paar Jahre früher traf es den Götz von Berlichingen, der gleich zweimal mit der Reichsacht belegt wurde (1512 und 1518). Zum Götz sei auf die Redensart jemanden am Arsch lecken können verwiesen. Die Acht konnte nicht nur über Menschen verhängt werden, sondern gleich ganze Städte konnten ihr anheimfallen. So erging es Göttingen 1504 wegen ungebührlichen Verhaltens gegenüber dem Landesherren Herzog Erich I.

Eine der bekanntesten Personen, die mit dem Kirchenbann belegt wurden, ist sicherlich der deutsche König Heinrich IV. Nach politischen Meinungsverschiedenheiten griff Papst Gregor VII. zur schärfsten seiner Waffen und schloss den König 1076 aus der christlichen Glaubensgemeinschaft aus, was zu dessen berühmten Gang nach Canossa führte.

Außer in der immer ungebräuchlicher werdenden Wendung „in Acht und Bann tun“ lebt die (Reichs)Acht noch im Verb ächten fort. Mit dem Zahlwort acht hängt die Acht hingegen nicht zusammen. Selbiges trifft auf die Obacht oder Wendungen wie achtgeben zu.

Beispiele

„Die Abtrünnigen sind nun in Acht und Bann getan und von der Gemeinde Israels abgetrennt.“
„Doch gerade dieser Gedanke stand wie kein anderer in Acht und Bann.“
„Statt den zwielichtigen Geschäftmann mit Acht und Bann zu strafen, machten die Banken munter weiter Geschäfte mit ihm.“
„Der Versuch, den missliebigen Wettbewerber mit falschen Anschuldigungen in Acht und Bann zu bringen, endete im eigenen Untergang.“
„Mit dem Sozialistengesetz schlug Bismarck die Sozialdemokraten in Acht und Bann.“

Wissenswertes

In Acht und Bann gehört zu den sogannten Paarformeln. Wie sich Paarformeln in Bildung und Form von anderen sprichwörtlichen Redensarten unterscheiden, können Sie im Artikel Hinz und Kunz nachlesen. Dort sind auch alle Paarformeln aufgelistet, denen sich redensarten.net bereits gewidmet hat. Hier sollen zwei weitere Beispiele genügen: Schall und Rauch und außer Rand und Band.

In Acht und Bann – eine Art Höchststrafe
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