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Allerhöchste Eisenbahn!

Redensart/Redewendung

RussischPolnischItalienischSpanischFranzösischEnglisch(aller)höchste Eisenbahn (sein)

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Bedeutung

sehr eilig/dringlich sein – höchste Zeit sein – drängen

Herkunft

Der Berliner Journalist, Schriftsteller und Verleger Adolf Glaßbrenner (1810 – 1876) ist weitgehend dem Vergessen anheimgefallen. Seinerzeit war er immerhin bedeutend genug, um wegen seiner bissigen, Politik und Sitten aufs Korn nehmenden Schriften anhaltend von den preußischen Zensurbehörden gegängelt zu werden. Zeitweilig wurde er sogar mit einem Berufsverbot belegt.

Besonders erfolgreich war er mit seinen meist im Berliner Dialekt verfassten Groschenheften, die das Alltagsleben der einfachen, unter der Obrigkeit leidenden Menschen ebenso spitzzüngig wie treffend beschrieben.

In einer seiner Possen mit dem etwas sperrigen Titel „Ein Heiratsantrag in der Niederwallstraße“[1] spielt der zerstreute Briefträger Bornike die Hauptrolle. Bornike bringt andauernd seine Sätze durcheinander, vertauscht unablässig Wörter miteinander und liegt daher oft mit dem, was er sagt, knapp dampflokdaneben. Bei seinem zukünftigen Schwiegervater weilend, um die Bedingungen für eine Hochzeit mit seiner Auserwählten auszuhandeln, drückt er seine Freude über den geglückten Handel wie folgt aus: „Diese Tochter is janz hinreichend, ich heirate ihre Mitgift.“ Bald darauf bricht er hastig auf, weil ihm einfällt, dass die Post aus Leipzig, die er austragen muss, längst mit dem Zug eingetroffen ist. Seine Eile entschuldigt er mit den Worten: „Herrjesses Leipzig! […] Es ist die allerhöchste Eisenbahn, die Zeit is schon vor drei Stunden anjekommen.“ Nicht nur die Zeit bzw. Eisenbahn kam an, sondern auch diese Art Humor. So gut, dass sich dieses Zitat im Gedächtnis festsetzte und sich allmählich zur Redewendung wandelte, weil der Urheber in Vergessenheit geriet.

Außer der Redensart höchste Eisenbahn hat uns Glaßbrenner noch etwas hinterlassen. Er war es, der dem Eckensteher Nante zur allgemeinen Bekanntheit verhalf und ihn zum Inbegriff der „Berliner Schnauze“ formte.

[1] Glaßbrenner, Adolf (unter dem Pseudonym Ad. Brennglas): Berliner Volksleben. Ausgewähltes und Neues, Verlag Wilhelm Engelmann, Leipzig 1847, Bd. 2, S. 241 ff.

Beispiele

„Das wurde aber auch höchste Eisenbahn!“
„Es war höchste Eisenbahn, dass wir mit der Sanierung begonnen haben.“
„Daher ist es höchste Eisenbahn, endlich in umweltfreundliche Verkehrsmittel zu investieren.“
„Immer öfter signalisiert der Körper, dass es höchste Eisenbahn wird, mit dem Leistungssport aufzuhören.“
„So eilig, wie er es hatte, in das kleine blaue Häuschen zu kommen, war es wohl allerhöchste Eisenbahn.“

Allerhöchste Eisenbahn!
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