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Am Hungertuch nagen

Redensart/Redewendung

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Bedeutung

sehr arm sein – hungern müssen – Not leiden

Herkunft

Bild: Ausschnitt des Zittauers HungertuchsDie Redewendung am Hungertuch nagen beruht auf einem sehr alten christlichen Brauch.

Schon im 11. Jahrhundert hängten die Geistlichen am Aschermittwoch in ihrer Kirche ein großes Tuch auf, um daran zu erinnern,
dass nun die Zeit des Fastens und der Buße gekommen sei. Zumeist verbargen die Kirchenleute mit dem Hungertuch den Altarraum vor den Augen der Gläubigen. Und weil am Aschermittwoch die 40 Tage dauernde Fastenzeit beginnt, bekamen die Tücher vom Volksmund den Namen Hungertücher. Diese Schmachtlappen, wie sie im Niederdeutschen auch genannt werden, waren anfangs schlicht und einfarbig, später aber kunstvoll mit Geschichten aus der Bibel verziert. Am Karsamstag, dem Ende der Fastenzeit, wurden die Tücher feierlich abgenommen.

Aus dem Brauch, die Hungertücher gemeinsam in mühevoller Handarbeit zu fertigen, entstand zuerst – spätestens im 16. Jahrhundert – die Redewendung am Hungertuch nähen (auch: flicken), woraus schon wenig später am Hungertuch nagen hervorgegangen ist.

Beispiele

„Die Griechen werden noch lange Jahre am Hungertuch nagen.“
„Nach acht Jahren bei Werder will er zu einem Verein, der um Titel spielt und nicht am Hungertuch nagt.“
„Die Frage lautet, wie und wann man in Rente gehen kann, ohne am Hungertuch nagen zu müssen.“
„Am Hungertuch nagen müssen Manager auch künftig nicht.“

Wissenswertes

Bild: das Zittauer Fastentuch

An diesem Hungertuch hat schon der Zahn der Zeit genagt.

Das Große Zittauer Fastentuch von 1472 – es gibt auch noch ein kleines von 1573 – misst rund sieben Meter in der Breite und acht Meter in der Höhe und zeigt 90 biblische Szenen, angefangen bei der Erschaffung der Welt und endend mit der Auferstehung Jesu.

Das im sächsischen Zittau in einer eigens zum Museum umgebauten Kirche ausgestellte Fastentuch hat als einziges Stück des sogenannten Feldertyps die Zeiten überdauert. Darüber hinaus ist es eines der ältesten und größten. Seine Bedeutung als Kulturgut ist somit kaum zu überschätzen.

Für beide Bilder gilt: © Abegg-Stiftung (Christoph v. Virág)

Am Hungertuch nagen
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