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Gemeiner Ballast: jemandem etwas ans Bein binden

Redensart/Redewendung

RussischPolnischItalienischSpanischFranzösischEnglischjemandem etwas ans Bein binden

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Bedeutung

jemanden behindern – jemandem etwas auferlegen – die Ausführung eines Planes erschweren – jemanden in seiner Handlungsfreiheit beschränken

Herkunft

In der Blütezeit adliger Jagd(vor)rechte war es Brauch, dass den Hunden einfacher Leute in der Nähe von Jagdrevieren ein Knüppel an ein Vorderbein gebunden wurde. Der sollte – und er tat es auch – die Hunde daran hindern, dem wertvollen Jagdwild nachzustellen oder es gar zu erlegen. Die Amtsleute verstanden bei Verstößen keinen Spaß. Fehlte der sogenannte Knüttel oder auch Bengel oder war er nicht groß und hinderlich genug, dann drohten empfindliche Geldstrafen oder gar einige Tage Gefängnis.

Bild: GefängnisinsasseAber auch das Weidevieh versah man mit solch einem lästigen Anhängsel, wenn es der Weide an einem Zaun mangelte. Zusätzlich band man die Vorderfüße zusammen. Kühe, Schafe und Ziegen standen zwar nicht in dem Verdacht, Hasen und Hirschen nachzujagen. Aber man wollte sie am Weglaufen hindern. Vielleicht gab es anderswo ja besseres Futter?

Man kann zur Herleitung dieser Redewendung aber auch an die Gefangenen früherer Zeiten denken, denen mit einer Kette eine Eisenkugel, ein Stein oder ein Holzklotz am Fuß befestigt wurde, die/den sie beständig mit sich herum schleppen oder hinter sich her schleifen mussten. Eine Flucht war damit praktisch unmöglich.

Älter, seltener im Gebrauch und von ganz anderer Bedeutung ist die Redewendung, wenn nicht einem anderem etwas ans Bein gebunden wird, sondern wir uns selbst etwas ans Bein binden. Das, was man ans Bein bindet, gibt man verloren, verbucht es als Verlust – aber ohne deswegen in Tränen auszubrechen. Denn der ursprüngliche Hintergedanke war, dass nicht zum Herzen vordringen und dort Kummer bereiten kann, was an einem so weit entfernten Körperteil wie dem Bein feststeckt. In dieser Bedeutung kommt die Redensart schon bei Walther von der Vogelweide (um 1170 – um 1230) vor.

Der Klotz am Bein leitet sich ebenfalls von diesen Bräuchen ab.

Beispiele

„Wer sich ein Ehrenamt ans Bein bindet, sollte wissen, was ihn erwartet.“
„Bisher sind alle Gespräche gescheitert, weil sich niemand diese Aufgabe ans Bein binden will.“
„Die Gemeinde will sich das baufällige Theater nicht ans Bein binden lassen.“
„In dem Schuppen muss man sich pro Nase mindestens 100 Euro ans Bein binden.“

Gemeiner Ballast: jemandem etwas ans Bein binden
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