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Etwas aufs Tapet bringen (und nicht aufs Tablett)

Redensart/Redewendung

RussischPolnischItalienischSpanischFranzösischEnglischetwas (nicht) aufs Tapet bringen

Bedeutung

eine Sache (nicht) zur Sprache bringen – etwas (nicht) zur Verhandlungssache machen – etwas (nicht) auf die Tagesordnung setzen – etwas (nicht) zum Gesprächsgegenstand machen – etwas (nicht) zur Diskussion stellen – (nicht) die Aufmerksamkeit auf etwas lenken

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Bedeutung

Der etwas altmodische und sicher nicht jedem geläufige Begriff Tapet geht auf das lateinische Wort tapes oder auch tapetium zurück, das für Teppich steht und von dem auch die Tapete abgeleitet ist. Der Zusammenhang zwischen Tapet mit der Bedeutung Teppich und der uns vertrauten Tapete aus Papier wird deutlicher, wenn man weiß, dass Teppiche früher keineswegs (nur) auf dem Fußboden lagen. Personen von Stand und Rang ließen auch die kahlen Wände mit bildgewaltigen, kostbaren Wandteppichen verzieren. Und selbst auf den Tischen lagen fein gewirkte Teppiche. Dies galt natürlich auch und erst recht für die Tische, an denen Versammlungen erlauchter Herren stattfanden. So gesehen, könnte die Redensart „etwas aufs Tapet bringen“ genauso gut „etwas auf dem Teppich ausbreiten“ lauten.

Aus dem lateinischen tapes wurde im Französischen le tapis, was Teppich, Tischdecke, Matte bedeuten kann. Im 17. Jahrhundert, als unter dem Einfluss des französischen Sonnenkönigs (Ludwig XIV.) Französisch die Modesprache an den meisten europäischen Fürstenhöfen war, hielt die Wendung „mettre (une question/affaire) sur le tapis“ auch bei uns Einzug und wurde unter Verwendung des bereits bekannten Tapets eingedeutscht. Gemeint war ursprünglich, etwas „so auf die Tischdecke bringen oder aufstellen, dass es jedermann besehen oder besprechen kann.“[2]

Um nicht unumstößliches Wissen vorzugaukeln, wo nur – wenn auch gut begründete – Wahrscheinlichkeiten vorgebracht werden können, muss erwähnt werden, dass bereits im 18. Jahrhundert die Umstände der Entstehung dieser damals noch sehr jungen Redensart nicht mehr mit letzter Gewissheit aufgeklärt werden konnten.[1]

Dem Umstand, dass in jüngerer Vergangenheit Tische in Sitzungszimmern oft mit – warum auch immer – grünem Tuch bezogen waren/sind, verdanken wir die Redewendung „etwas am grünen Tisch verhandeln“.

Es heißt übrigens „Tapeee“, nicht „Tapettt“. Wer sich unter dem Begriff absolut nichts vorstellen kann, bringt ersatzweise schon mal eine Sache aufs Trapez. Und selbst das Tablett muss bisweilen als Unterlage herhalten.

[1] Wülfing, J. Ernst: Was mancher nicht weiß. Sprachliche Plaudereien, Jena 1905, S. 16
[2] So sind bspw. im 1732 bis 1754 erschienenen „Grossen vollständigen Universallexicon Aller Wissenschafften und Künste“, nach seinem Verleger kurz und bündig Zedler genannt, mehr oder weniger auch nur Vermutungen angeführt. Von einer Entlehnung aus dem Französischen ist zumindest dort überhaupt keine Rede. Vgl. Bd. 41, Spalte 1771.

Beispiele

„Wir ließen ihn das auch merken, und um sich aus der Affaire zu ziehen und etwas anderes auf das Tapet zu bringen, griff er in die Tasche und zog ein Paket Spielkarten hervor.“
„Ob in Parteien oder Unternehmen, bei Verbänden oder in den Gewerkschaften, zu wissenschaftlichen oder kirchlichen Fragen – immer wieder tauchen Zeitgenossen auf, die sich bestehenden Dogmen und althergebrachten Meinungen widersetzen, Bedenken anmelden, unliebsame Fragen aufs Tapet bringen und Fragen jenseits gelegter Denkgleise und Handlungsmuster zu stellen wagen.“
„Und bei Österreich hat man jetzt manchmal das Gefühl, dass es ihnen eigentlich ganz recht ist, wenn das Thema Südtirol nicht mehr auf dem Tapet steht.“
„Im Laufe der nächsten Monate kommt das auf das Tapet.“
„Was ich damit meine, ist, dass jemand auch unangenehme Punkte aufs Tapet bringen können sollte, ohne gleich als Quertreiber abgestempelt zu werden.“

Wissenswertes

Teppich

Ein besonders berühmter Wandteppich ist der von Bayeux. Zwar handelt es sich im strengen Sinne nicht einmal um einen Teppich, weil er nicht gewirkt oder geknüpft, sondern nur gestickt ist. Aber das gute Stück ist nun einmal unter dem Namen Teppich von Bayeux bekannt, da wollen wir uns nicht mit Begriffsbestimmungen aufhalten.

Das Schmuckstück wurde bereits im 11. Jahrhundert angefertigt, ist rund 70 Meter lang und zeigt die berühmte Schlacht von Hastings, in der die Normannen vom Festland unter Wilhelm dem Eroberer die Angelsachsen besiegen und fortan in England herrschen.

Damit sich Historikern nicht der Magen umdreht, sei darauf hingewiesen, dass die in der Übersetzung verwendeten Bezeichnungen „Franzosen“ und „Engländer“ alles andere als zutreffend, sondern bestenfalls eine Vereinfachung sind, um dem historisch weniger beschlagenen Leser zu verdeutlichen, wer da eigentlich gegen wen gekämpft hat.

Obwohl Sie schon bis zum Erbrechen scrollen müssen, um das Bild einmal vollständig gesehen zu haben, wird hier nur das letzte Viertel des Teppichs gezeigt. Die ganze Bildgeschichte findet man auf den Seiten der Hochschule für angewandte Wissenschaften zu Augsburg.

Etwas aufs Tapet bringen (und nicht aufs Tablett)
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