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Einen Bock schießen, weil er kein guter Gärtner ist?

Redensart/Redewendung

RussischPolnischItalienischSpanischFranzösischEnglisch1) einen Bock schießen
RussischPolnischItalienischSpanischFranzösischEnglisch2) den Bock zum Gärtner machen
3) weitere Böcke

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Bedeutung

1) einen (groben) Fehler machen – eine Dummheit begehen – mit etwas völlig danebenliegen
2) jemanden mit einer Aufgabe betrauen, der dafür völlig ungeeignet ist
3) siehe Text

Herkunft

Einen Bock schießen

Armbrust mit BolzenWer einen Bock schießt, hat alles andere als einen Volltreffer gelandet. Schon nachweislich im 15. Jahrhundert war es bei Schützenfesten Brauch, dem schlechtesten Schützen einen (Ziegen)Bock als Trostpreis zu überreichen.[1] Vielleicht als Ausgleich für die spitzen Bemerkungen der anderen Wettbewerber. Ob es „Spezies“ gab, die absichtlich das Ziel verfehlt haben, um den Bock abzufassen, statt im namen- und preislosen Mittelfeld zu landen, ließ sich nicht herausfinden …

Diese Gleichsetzung von Bock mit Fehler schimmert auch bei etwas verbocken und Bockmist bauen durch.

Den Bock zum Gärtner machen

Die Fresslust von Ziegen ist selbst schon fast sprichwörtlich. Oder wie es in einem alten Buch anschaulich geschildert wird: „Eigenthümlich ist die Naschhaftigkeit des Ziegengeschlechts. Die Ziege beschnuppert, beleckt, kostet und versucht Alles, selbst den Pfeffer aus dem Gefäße vom Tische weg; im Garten probirt sie bald den Kohl, bald die jungen Sprossen, bald die Rinde junger Bäume.“ Noch dazu geht die Ziege sehr gründlich vor. Selbst vor den Wurzeln macht sie nicht halt. Würden Sie wortwörtlich einen Bock zum Gärtner ernennen, fänden Sie demnach binnen kurzer Zeit kaum noch etwas Grünes vor. Diese Art Gärtner würde also viel schaden und nichts nutzen. Und Sie würden sich mit Ihrer Wahl einen Bärendienst erweisen.

Die Redensart als solche läßt sich bis ins 16. Jahrhundert zurückverfolgen und z.B. bei Hans Sachs, einem der bekanntesten Dichter jenes Jahrhunderts, finden.

Eine ganz ähnliche, aber völlig veraltete Redewendung lautet: den Bock auf die Haferkiste setzen.

Weitere Böcke

Der arme (Schafs-/Ziegen)Bock muss noch für eine ganze Reihe anderer, ebenfalls wenig schmeichelhafter Vergleiche herhalten.
Wer gesagt bekommt, er würde stinken wie ein Bock, der sollte sich ernsthaft Gedanken über seine Körperhygiene machen. Stur wie ein Bock ist, wer sich auch den besten Argumenten nicht beugen will. Das Gehirn (i, nicht ö) ist wohl demjenigen etwas verrutscht, der sich als geiler Bock bezeichnen lassen muss. Und auch null Bock haben ist keine wirklich positive Einstellung zu einer Sache.

Schon im „Zedler“ (Grosses vollständiges Universallexikon aller Wissenschafften und Künste, verlegt zwischen 1732 und 1754 von Johann Heinrich Zedler, insgesamt 68 Bände mit über 62.000 Seiten), DEM deutschsprachigen Lexikon des 18. Jahrhunderts, heißt es wenig wohlwollend:

„Ist ein beherzt streitbar Tier, so seine meiste Krafft in seiner Stirn und Hörner führet. Er stinckt wegen seiner Geilheit ganz unerträglich, darum man ihn gerne ihn großen Pferd-Ställen hält, um dadurch die Kazen zu vertreiben;“

Zu guter Letzt soll noch des Sündenbockes gedacht werden.

Dass Sie meine Ausführungen einigermaßen lesenwert fanden, darauf werde ich mich verlassen wie der Bock
auf die Hörner, sprich: Darauf vertraue ich ganz fest.

[1] Röhrich, Lutz: Lexikon der sprichwörtlichen Redensarten, 7. Auflage, Herder Verlag, Freiburg – Basel – Wien 1994, Bd. 1, S. 227 f.

Beispiele

1) „Jeder Mensch darf mal einen Bock schießen, aber er sollte aus seinem Missgeschick lernen.“
„Dein Vater sollte dir nicht den Kopf abreißen, wenn Du einen Bock geschossen hast, sondern mit dir gemeinsam das beste daraus machen.“
2) „Blickt man in die Geschichte und Gegenwart des Kongos, so drängt sich freilich die Frage auf, ob es nicht den Bock zum Gärtner machen heißt, wenn ausgerechnet Europäer als Helfer in den zentralafrikanischen Staat entsendet werden.“
„Mit der bisher gewählten Strategie, die Vermittlung und Diskussionvon Werten und Weltanschauungen
ausgerechnet den religiösen Gemeinschaften zu überlassen, habe der Staat den Bock zum Gärtner gemacht.“
3) „Wenn das Vieh nass wird, tut es stinken wie ein Bock!“
„Mein Pferd ist ein gutmütiges und wohl erzogenes Tier, aber wenn es keinen Bock hat, ist es stur wie ein solcher.“

Wissenswertes

Zwei Böckchen beim Spielen

Einen Bock schießen, weil er kein guter Gärtner ist?
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