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Das Bauernopfer – unfair oder clever?

Redensart/Redewendung

RussischPolnischItalienischSpanischFranzösischEnglischein Bauernopfer bringen – einen Bauern opfern

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Bedeutung

eine vergleichsweise unbedeutende Person opfern, um eine höherrangige zu schützen – ein Mitglied einer Organisation ausgrenzen, um von der Gemeinschaft als Ganzem Schaden abzuwenden – einen Befehlsempfänger entlassen, um das Führungspersonal zu schützen; die Schuld für etwas auf einen Untergebenen schieben, um die Verantwortung nicht selbst übernehmen zu müssen – sich von jemandem/etwas trennen, um sich selbst zu retten

Herkunft

BauernopferIm Schachspiel ist ein Bauer die an sich schwächste Figur, weil er nicht über die Möglichkeiten anderer Figuren verfügt. Während sich mit einem Läufer ganze Diagonalen abdecken lassen, mit einem Turm waagerecht wie senkrecht gezogen und die Dame gar sowohl diagonal als auch gerade gerückt werden kann, lässt sich ein Bauer immer nur ein Feld vorwärts setzen (bis auf wenige Ausnahmen, wie dem Schlagen anderer Figuren oder dem Eröffnungszug). In der Verbindung dieser recht beschränkten Spielfigur mit der Bezeichnung Bauer spiegelt sich die Jahrhunderte währende gesellschaftliche Geringschätzung der Bauern wider. Beim Schach allerdings kann ein Bauer in Abhängigkeit von der Spielentwicklung erheblich an Wert gewinnen und zum Zünglein an der Waage werden. Deshalb wird kein Könner „aus Jux und Tollerei“ einen Bauern opfern, da ein solcher Verlust das Spiel zu seinen Ungunsten entscheiden kann. Wenn ein guter Spieler ein Bauernopfer bringt, also dem Gegner absichtlich zum Schlagen anbietet, dann oft deshalb, weil er sich davon einen bedeutenden Vorteil (eine bessere Stellung, Möglichkeiten für einen Angriff, den Gewinn einer wertvolleren Figur) für den weiteren Spielverlauf erhofft.[1] Aber natürlich stellt ein Bauernopfer auch ein erprobtes Mittel der Verteidigung dar, z.B. wenn eine höherwertige Figur oder ein wichtiges Feld unter Druck gerät und so geschützt werden soll. Wenn Sie so wollen, gibt es ein offensives und ein defensives Bauernopfer.

Etwas anders und einseitiger verhält es sich bei der Redensart. Hier ist fast ausnahmslos gemeint, dass jemand (selten ein Etwas) preisgegeben wird, um eine andere, wichtigere Person oder auch die Organisation, der das Bauernopfer angehört, vor (weiterem) Schaden zu bewahren. Insbesondere in der Politik wimmelt es vor Sündenböcken und Bauernopfern. Die Redewendung wird hingegen nur selten verwendet, um auszudrücken, dass jemand/etwas in der Absicht geopfert wird, um ein übergeordnetes Ziel leichter zu erreichen und sich mittelfristig Vorteile zu verschaffen. Als Redensart ist das Bauernopfer also eher defensiver als offensiver Natur.[2]

[1] Mehr oder weniger wahllos herausgegriffenes Beispiel aus einer alten Schachzeitung: „Das doppelte Bauernopfer zeigt, wie fest die Angreifenden von der Unwiderstehlichkeit ihrer Attacke überzeugt waren.“ (Schachzeitung [der Berliner Schachgesellschaft], zweiter Jahrgang, Veit & Co, Berlin 1847, S. 299
[2] Und auch das Standardwerk zu deutschsprachigen Redensarten, Lutz Röhrichs „Lexikon der sprichwörtlichen Redensarten“,
kennt nur eine Richtung kennt: „eine relativ geringe Person wird geopfert, um eine gewichtigere schadlos zu halten“ (Röhrich, Lutz: Lexikon der sprichwörtlichen Redensarten, siebte Auflage, Herder Verlag, Freiburg – Basel – Wien 1994, Bd. 1, S. 160)

Beispiele

„Dieses Mal muss er endlich selbst seinen Mann stehen und kann kein Bauernopfer bringen.“
„Minister zu Guttenberg bringt mit dem Kapitän ein Bauernopfer, um sich selbst aus der Schusslinie zu nehmen.“
„Da Stoiber seinen General Söder nicht fallenlassen wird, könnte der farblose Landesgeschäftsführer Zorzi das gesuchte Bauernopfer werden.“
„Die spannende Frage lautet, ob er einen Bauern opfern oder selbst das Feld räumen wird.“
„Solange es nur irgend ging, wurden Bauern geopfert, Sündenböcke gesucht.“

Wissenswertes

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