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Einen Korb geben, bekommen oder holen

Redensart/Redewendung

RussischPolnischItalienischSpanischFranzösischEnglischjemandem einen Korb geben – von jemandem einen Korb bekommen – sich einen Korb holen

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Bedeutung

einen Korb geben: jemanden zurückweisen – eine Bitte abschlagen – einen Heiratsantrag ablehnen
einen Korb bekommen – sich einen Korb holen: zurückgewiesen werden – vom gewünschten Partner abgelehnt werden – mit einem Heiratsantrag scheitern

Herkunft

Bild: einen Korb bekommenIn mehreren alten Texten wird berichtet, dass im Mittelalter edle Burgfräuleins des Nachts ihren heimlichen Geliebten in einem Korb zu sich heraufzogen.Es wird aber auch davon erzählt, dass ebendiese Damen einem unbequem gewordenen Liebhaber oder einem lästigen Verehrer einen Korb mit einem gelockerten Boden hinabschickten und so den Liebesträumer wortwörtlich durch den Korb fallen ließen. So heißt es in einem Theaterstück aus dem Jahr 1605: „Ich weiß wol, was ir also lacht, daß man mich also naß hat gemacht, und ich durch den korb gefallen bin.“ Wobei schon hier die Redensart nur noch im übertragenen Sinne für die Abweisung durch die Angebetete gebraucht wird.

Bild: durch den Korb fallenFast noch gemeiner war, dem Liebestollen zwar einen tragfähigen Korb nach unten zu schicken, ihn aber dann hilflos auf halber Höhe hängen zu lassen, wo(durch) er am Morgen dem Gespött der Leute preisgegeben war – und auch dem Zorn derer, die so ein Techtelmechtel gar nicht lustig fanden.

In späteren Zeiten ging die Dame von Welt weniger rustikal zu Werke. Sie schickte dem erfolglosen Bewerber einen kleinen Korb ohne Boden, um ihm anzudeuten, welches Schicksal ihn erwartete, falls er nicht von seinen Nachstellungen abließ. Aus dem ungesunden durch den Korb fallen war ein nur noch den Stolz verletzendes einen Korb bekommen geworden.

Die Wendung „bei etwas durchfallen“ ist letztlich auch nur eine Verkürzung der bekannten Redensart. Studenten übertrugen die alte Sitte kurzerhand von ritterlichen Liebesabenteuern auf ihre Prüfungen.

Das Bild rechts stammt aus der Großen Heidelberger Liederhandschrift aus der ersten Hälfte des 14. Jahrhunderts. Quelle: Universitätsbibliothek Heidelberg

Beispiele

„Aller Voraussicht nach wird ihr die Opposition einen Korb geben.“
„In einem Duell gekränkter Eitelkeiten streiten sie darüber, wer nun wem einen Korb gegeben hat.“
„Anscheinend weil sie einen Korb bekommen hatte, stach die Jugendliche mit einem Messer mehrfach auf einen Freund ein.“
„Ein ums andere Mal holte er sich einen Korb.“

Wissenswertes

Gemälde Niederländische Sprichwörter

Auf dem Gemälde „Niederländische Sprichwörter“ von Pieter Brueghel dem Älteren (ca. 1530 – 1569) sind über 100 niederländische Redewendungen untergebracht. Auch durch den Korb fallen befindet sich darunter. Sehen Sie, wo? Kleiner Tipp: Suchen Sie eher am Rand. Falls das nicht hilft, gelangen Sie durch einen Klick auf das Bild zu einer größeren Ausgabe.

Sehr viele der gezeichneten Wendungen sind aus dem Sprachgebrauch verschwunden. Aber einige immer noch bekannte lassen sich doch finden. Bei Lust und Laune können Sie bspw. die Redensarten mit dem Kopf durch die Wand wollen, zwischen zwei Stühlen sitzen oder Perlen vor die Säue werfen suchen.

Das Original befindet sich im Besitz der Staatlichen Museen zu Berlin – Preußischer Kulturbesitz.

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