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Seinen Friedrich Wilhelm unter etwas setzen

Redensart/Redewendung

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Bedeutung

ein Schriftstück unterzeichnen – etwas unterschreiben

Herkunft

Als indirekter Urheber dieser Redensart wird meist der preußische König Friedrich Wilhelm I. genannt. Gemeint ist wohl seine ungewöhnliche, im Gegensatz zur Vorliebe anderer Herrscher für verschnörkelte Initialen stehende Angewohnheit, Dokumente stets mit vollem Namen zu unterzeichnen. Diese phantasielose Geradlinigkeit passt irgendwie zu jemandem, der sich den Spitznamen „Soldatenkönig“ erworben hat.

Aber auch in anderen Fürstentümern regierten zwischen dem 17. und 19. Jahrhundert eine große Zahl Friedrich Wilhelms, so dass dieser Name ausgeschrieben oder abgekürzt unter unzähligen Dokumenten gestanden hat. Füttern Sie doch einmal eine Suchmaschine mit Friedrich Wilhelm – Sie werden staunen.

Während der/die Friedrich Wilhelm(s) fleißig selbigen unter allerlei „Papierkram“ setzte(n), konnte der überwiegende Teil der Untertanen weder lesen noch schreiben. War der Gebrauch einer Unterschrift unerlässlich (z.B. beim Testament), verwendeten Analphabeten sogenannte Handzeichen, die von den berühmten Kreuzen bis zu recht eigenartigen Zeichen reichten und juristisch einer Unterschrift völlig gleichwertig waren.

Friedrich Wilhelm spielte möglicherweise auch eine Rolle beim Entstehen der Redensart für den Alten Fritz sein.

Beispiele

„Bei der Signierstunde setzt er seinen Friedrich Wilhelm auf seine neueste Schöpfung.“
„Wer seinen Friedrich Wilhelm zur Besiegelung des geschlossenen Vertrags feierlich an die entsprechende Stelle setzt, kann dies bald auch mit dem Segen des Gesetzgebers in virtueller Form tun.“
„Mit seinen ungewaschenen (!) Händen kritzelte er mir freundlich seinen Friedrich Wilhelm aufs Papier, wünschte uns noch einen schönen Tag und wandte sich wieder der Frau mit dem Blumenbouquet zu.“
„Ich schreibe einen Antrag, der Staatsanwalt macht seinen Friedrich-Wilhelm darunter, und der Richter erlässt den Beschluss.“

Wissenswertes

Schauen Sie doch mal, ob Sie die folgenden Namenszüge entziffern können. Es handelt sich bei den Signaturen ausschließlich um solche deutschsprachiger Persönlichkeiten aus mehreren Jahrhunderten, die unter Garantie jeder kennt. Bei Bedarf sehen Sie die Lösung, wenn Sie mit der Maus eine Weile auf dem jeweiligen Bild verharren.

Albert Einstein

Vermutlich der genialste Physiker des 20. Jahrhunderts.

Goethe

Herausragender deutscher Dichter.

Friedrich Schiller

Nicht minder berühmter Kollege und Freund des vorigen.

Sepp Herberger

Mit ihm als Trainer wurde Deutschland erstmals Fußball-Weltmeister.

Arnold Schwarzenegger

Vom Kraftsportler über den Schauspieler zum Politiker.

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