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Was ist los, wenn es zugeht wie bei den Hottentotten?

Redensart/Redewendung

RussischPolnischItalienischSpanischFranzösischEnglischaussehen/zugehen wie bei den Hottentotten

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Bedeutung

Chaos, völliges Durcheinander, größte Unordnung; undiszipliniertes, zügelloses Verhalten

Herkunft

Das Wort Hottentotten wurde vermutlich schon im 17. Jahrhundert von niederländischen Seefahrern geprägt, die im Bereich des heutigen Südafrikas anlandeten. Dort lebt eine Reihe von Völkern, für deren Sprache Schnalz- und Klicklaute charakteristisch sind. Hottentotten stellt möglicherweise den misslungenen und verunglimpfenden Versuch dar, diese Sprachen nachzuahmen.

Wie fremd diese afrikanischen Sprachen in europäischen Ohren klangen, veranschaulicht folgende Schilderung:

„Ebenso unterscheiden sie sich durch ihre Sprache, die bald mit der Aussprache Stammelnder oder Alpenbewohner mit Kröpfen, bald mit dem Geschrei der Truthähne, und deren Hervorholen der Töne aus der Kehle, oder mit dem Geschrei der Älstern und dem Geheul der Eulen verglichen worden ist.“[1]

Im bedeutendsten und umfangreichsten Lexikon des 18. Jahrhunderts, nach seinem Verleger kurz „Zedler“ genannt, heißt es hierzu: „Der Name kommt von dem Wort Hottentot her, welches diese Leute, wenn sie frölich sind, auszuruffen pflegen und sind die Holländer solcher Benennung Urheber gewesen.“

Die Bezeichnung wurde dann auch von den deutschen Siedlern, Missionaren, Händlern usw. übernommen, die im letzten Viertel des 19. Jahrhunderts Gebiete im Südwesten Afrikas (das heutige Namibia) dem Einfluss des Deutschen Reiches unterwarfen. Durch den Aufbau eines ähnlich weltumspannenden Kolonialreiches, wie es England und Frankreich besaßen, wollte man im Wettbewerb um Rohstoffquellen und Absatzmärkte bzw. um die Vorherrschaft allgemein an – sprichwörtlich – Boden gewinnen.

Das Interesse einer breiten Öffentlichkeit an den neuen Gebieten und deren Bewohnern war ungeheuer. Dem Geist der Zeit entsprechend, wurden (Schwarz)Afrikaner hauptsächlich mit negativen Eigenschaften versehen, um den (Mehr)Wert der eigenen Rasse herauszustellen. „Neger“ waren demnach faul, unzuverlässig, verlogen und dergleichen mehr. Jeglicher Sinn für Ordnung und Disziplin wurde ihnen abgesprochen. Zudem entsprachen die (angeblichen oder tatsächlichen) Lebensweisen der afrikanischen „Stämme“ so gar nicht dem, was man sich im (damaligen) Europa unter Zivilisation vorstellte. Sehr beliebt war das Vorurteil von der Sittenlosigkeit der Afrikaner. Dieses negative Bild verdichtete sich innerhalb kurzer Zeit zu den sprichwörtlichen Zuständen wie bei den Hottentotten.

Die u.a. von der Wikipedia verbreitete Ansicht, Hottentotten leite sich vom holländischen Wort für stottern/Stotterer (stotteren/Stotteraar) ab, weil die niederländischen Siedler die ungewohnte Sprache als Gestotter empfunden hätten, wird gerade von der neueren Forschung teils energisch abgelehnt. Stattdessen wird auf eine der frühesten Reisebeschreibungen aus der ersten Hälfte des 17. Jahrhunderts verwiesen, in der Hottentotten auf ein für Europäer wie „Hautitou“ klingendes Wort der Einheimischen zurückgeführt wird, das wohl zur Begrüßung verwendet wurde.[2]

[1] Berghaus, Heinrich: Die Völker des Erdballs, Verlag Carl Muquardt, Brüssel und Leipzig 1847, Bd. 2, S. 89
[2] Vgl. Klocke-Daffa, Sabine: „Wenn du hast, mußt du geben“. Soziale Sicherung im Ritus und im Alltag bei den Nama von Bersebia/Namibia, LIT Verlag, Müster – Hamburg – Berlin – London 2001, S. 4

Beispiele

„Hier sieht´s ja aus wie bei den Hottentotten!“
„Wir sind hier doch nicht bei den Hottentotten!“
„Man hatte mich vor diesen Spielen gewarnt, es gehe dabei zu wie bei den Hottentotten.“

Die Hottentotten halten sich immer noch hartnäckig im deutschen Sprachgebrauch. So auch im Internet als Benutzername, in Forenbeiträgen („Meine Oma hätte gesagt: Hier geht´s ja zu wie…“) usw. Wenn Sie ein wachsames Auge haben, werden Sie nicht lange nach diesem „Völkchen“ suchen müssen. Womöglich haben Sie auch schon einmal den Radiosender gewechselt, weil Ihnen die Hottentotten-Musik auf die Nerven ging…

Wissenswertes

Hottentotten

„Hottentotten bauen ein Dorf“, Abbildung aus der ersten Hälfte des 19. Jahrhunderts.

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