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Etwas im Schilde führen

Redensart/Redewendung

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Bedeutung

etwas vorhaben/beabsichtigen – böse Absichten haben – etwas Böses planen – Böses im Sinn haben – versteckte/heimliche Pläne haben

Herkunft

Schon lange vor der Zeitenwende verwendete man Schilde zur Abwehr gegen Nahkampfwaffen oder Geschosse. Am Anfang noch aus Leder, Holz und ähnlichen Materialien, wurden die Schilde in Abhängigkeit von Zeit und Kultur robuster (z.B. Metall statt Holz). Je besser die Angriffswaffen wurden, um so stabiler mussten die Schilde sein, um Schutz bieten zu können. Die Verbreitung der Schusswaffen bedeutete allerdings das Aus. Gegen Feuerwaffen wirksame Schilde wären wegen der erforderlichen Materialstärke viel zu schwer gewesen.

Ritter mit Schild
Abbildung aus dem spätmittelalterlichen
Codex Manesse, der sich
im Besitz der Uni Heidelberg befindet.

Aber Schilde waren nicht nur eine Verteidigungswaffe, sondern boten auch reichlich Platz für mehr oder weniger künstlerisch gestaltete Botschaften, der insbesondere im Mittelalter intensiv genutzt wurde. Die aufgemalten Symbole, Wappen oder Parolen kündeten vom Stolz des Trägers auf seine Vorfahren und verrieten dem Kundigen sofort alles Wichtige über die Herkunft des Schildträgers und ließen Rückschlüsse auf dessen Absichten zu. Im ritterlichen Turnier waren die Absichten des Gegners ohnehin klar, im „wirklichen Leben“ aber konnten diese Informationen von existentieller Bedeutung sein. Zu erkennen, was Freund oder Feind im Schilde führen, war eine Fähigkeit, die über Leben und Tod entscheiden konnte.

Selbstverständlich durften nicht Hinz und Kunz Wappen führen. Im Mittelalter war dies den Adligen vorbehalten. Doch auch die gab es reichlich, so dass es z.B. während der Kreuzzüge oder einer der zahlreichen mittelalterlichen Kriege und Fehden wichtig war, jemanden zu haben, der sich mit der Vielzahl an Wappen auskannte, um die Schlacht halbwegs koordinieren zu können und nicht Freund und Feind zu verwechseln. Diese „Jemande“ waren die Herolde – Männer mit ausgeprägtem Gedächtnissinn, die auch als Boten ihres Lehnsherrn fungierten. In heutiger Zeit ist die Heraldik eine anerkannte Disziplin der Geschichtswissenschaft. Außerdem steht es zumindest in Deutschland jedem frei, ein Wappen zu führen. Wenn Sie also zu Exzentrik neigen…

Was jemand im Schilde führte, war also offensichtlich. Man musste es nur deuten können. Die Bedeutung der Redensart hingegen nahm allmählich negative Züge an, bis hin zu den heimlichen, hinterhältigen Plänen. Nachweise für diese Bedeutung lassen sich bereits in der Literatur des 16. Jahrhunderts und später bei vielen Geistesgrößen des deutschen Sprachraums finden – keineswegs nur bei Goethe und Schiller.

Beispiele

„Er ist enorm belastbar, zuverlässig widerborstig und extrem eigenwillig – wobei sein Eigenwille den Esel immer auch vor vielem Unsinn bewahrte, den seine Reiter mit ihm im Schilde führen mochten.“
„Wer weiß schon, was die im Schilde führen?“
„Man erfährt nie genau, was sie eigentlich im Schilde führen, und man muss es auch nicht wissen.“
„Es sind Fremde im Dorf, die nichts Gutes im Schilde führen.“
„Man weiß nie, was der Typ, der über Gott und die Welt quatscht, eigentlich im Schilde führt.“

Wissenswertes

Mit Schild und Lanze ist niemand mehr unterwegs. Die Wappen jedoch finden immer noch Verwendung. Erkennen Sie die folgenden Wappen einiger Bundesländer? (Die Lösung sehen Sie, wenn Sie eine Weile mit der Maus auf dem jeweiligen Bild verharren.)

Sachsen
Hessen
Rheinland-Pfalz
Baden-Württemberg
Hamburg
Thüringen

Hinweis: Die Landeswappen sind Hoheitszeichen und dürfen daher in keiner Art und Weise verwendet werden, die den Eindruck erwecken könnte, der Verwender nähme staatliche Aufgaben wahr. Im Klartext: Sie sollten bei aller Heimatliebe darauf verzichten, das Wappen Ihres Bundeslandes als Logo für Ihre Website zu verwenden.

Etwas im Schilde führen
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