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Im Trüben fischen

Redensart/Redewendung

RussischPolnischItalienischSpanischFranzösischEnglischim Trüben fischen

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Bedeutung

aus einer unklaren Lage Vorteile ziehen – unsichere Verhältnisse ausnutzen – sich mit unlauteren Mitteln einen Vorteil verschaffen – mit nicht ganz sauberen Geschäften Gewinn machen

Herkunft

Die in vielen europäischen Sprachen bekannte Redewendung im Trüben fischen geht wohl letztendlich auf eine Geschichte des altgriechischen Fabeldichters Aesop zurück.[1]

Bild: FischerEin Fischer wirbelt in einem Fluss das Wasser auf, damit ihm die fliehenden Fische im trüben Wasser leichter ins Netz gehen. Allerdings beschwert sich ein Nachbar bei ihm, dass er nun kein klares Wasser mehr trinken könne. Der Fischer im Trüben rechtfertigt sich, dass er sonst Hungers sterben müsste, weil er im klaren Wasser keine Fische fangen könne.[2]

Und die Moral von der Geschicht´? Der Fischer steht in der Fabel für den Aufwiegler, den Aufrührer, den Hetzer, der auch nur Erfolg haben kann, wenn er im Schlamm wühlt und in einer Gemeinschaft Unruhe stiftet.

Allerdings entbehrt das Verhalten des gescholtenen Fischers nicht jeder Grundlage. Schon im Altertum war bekannt, dass es sich tatsächlich im Trüben besser fischen lässt. Dieses Wissen und auch die Fabel fanden einen Weg durch die Jahrhunderte und kamen über das mittelalterliche Latein der Geistlichen und sonstigen Gelehrten als Redewendung auf uns.

Insbesondere im Internet finden sich viele Belege, die darauf schließen lassen, dass der Schreiber die überlieferte Bedeutung der Redewendung nicht kennt. Im Trüben fischen wird dabei wörtlich verstanden in dem Sinne, dass man im trüben Wasser nicht sehen kann, was man tut oder was dort vor sich geht. Wer so im Trüben fischt, hat von etwas keine Ahnung, kennt sich nicht aus, handelt also auf gut Glück und planlos. Ein Beispiel: „Lange mussten die Ermittler im Trüben fischen, bis ihnen ein Hinweis aus der Verwandtschaft zum Durchbruch verhalf.“ Ob sich dieses falsche Verständnis durchsetzt und zu einer neuen oder wenigstens erweiterten Bedeutung der Redensart führt, wird sich zeigen.

[1] Vgl. Pohlke, Reinhard: Das wissen nur die Götter. Deutsche Redensarten aus dem Griechischen,
Albatros Verlag, Düsseldorf 2008, S.59 f.
[2] Die Fabel vom „Fischer im trüben Wasser“ und andere können Sie auf www.fabelnundanderes.at nachlesen.

Beispiele

„Nach dem Krieg hat mancher erfolgreich im Trüben gefischt.“
„Weil der Chemie-Konzern lange Jahre im Trüben fischte, müssen das heute die ansässigen Fischer.“
„Er unterstellt der Partei, sie wolle die Krise ausnutzen, Ängste schüren und im Trüben fischen.“
„Das Ausnutzen von Grauzonen, das Fischen im Trüben ist ihm schon längst zur zweiten Natur geworden.“
„Die Mitglieder des Anglerverbandes wollen nicht im Trüben fischen und setzen sich deshalb für den Gewässerschutz ein.“

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