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Jemanden in die Zange nehmen

Redensart/Redewendung

RussischPolnischItalienischSpanischFranzösischEnglisch1) jemanden in die Zange nehmen
RussischPolnischItalienischSpanischFranzösischEnglisch2) jemanden/etwas nur/nicht mit der Zange anfassen (wollen)

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Bedeutung

1) jemanden unter Druck setzen – jemandem heftig zusetzen; jemanden von mehreren Seiten bedrängen/angreifen; jemandem ins Gewissen reden – jemanden ausführlich zu einer Sache befragen
2) sich vor jemandem/etwas ekeln – jemanden/etwas verabscheuen – mit jemandem/etwas nichts zu tun haben wollen – jemanden/etwas nicht berühren wollen

Herkunft

Etwas in die Zange nehmen muss von alters her der Schmied. Kein halb- oder auch nur viertelwegs vernünftiger Mensch wird auf die Idee kommen, ein Stück glühendes Eisen mit der bloßen Hand anzufassen oder es gar für längere Zeit in der Hand zu halten.

Zangen spielten auch bei der mittelalterlichen Folter und der Vollstreckung von Körper- bzw. Verstümmelungsstrafen eine Rolle. Frühere Schilderungen, die in Abhängigkeit vom Zweck der Veröffentlichung sicher an manchen Stellen auch etwas übertreiben, lesen sich in etwa so:

„Die Hinrichtungen waren so grausam, wie die Foltern: Zwicken mit glühenden Zangen, Riemen aus dem Rücken schneiden, Viertheilen, Rädern, Händeabhacken, Herzausschneiden, und ums Gesicht schlagen waren an der Tagesordnung.“[1]

Ein unmittelbarer Zusammenhang zwischen diesen – aus heutiger Sicht – Misshandlungen und der Redensart jemanden in die Zange nehmen lässt sich aber nicht nachweisen, weshalb dieses Thema hier nicht weiter vertieft werden soll oder muss.

Höchstens mit der Zange anfassen wollen wir Menschen, Tiere oder Dinge, die uns besonders schmutzig vorkommen oder die aus anderen Gründen unseren Ekel erregen. So hegen viele Menschen, vor allem Frauen, z.B. eine ausgeprägte Abneigung gegenüber Spinnen, die sie um nichts in der Welt berühren wollen.

Man kann jemanden nicht nur in die Zange nehmen, sondern auch in die Mangel.

[1] Menzel, Wolfgang: Geschichte der Deutschen bis auf die neuesten Tage, Verlag der J. G. Cotta´schen Buchhandlung, Stuttgart und Tübingen 1834, S. 792

Beispiele

1) „Derzeit nehmen zwei Tiefdruckgebiete Deutschland in die Zange und sorgen für schlechtes Wetter.“
„Das derart geschwächte Römische Reich wurde von Feinden aus allen Himmelsrichtungen in die Zange genommen.“
„Auf der nächsten Versammlung werden die Mitglieder den Vorsitzenden wohl kräftig in die Zange nehmen.“
2) „Solche Unterlagen möchte man nur mit einer Zange anfassen.“
„Keiner meiner Kollegen wollte ihn auch nur mit der Zange anfassen.“

Wissenswertes

Zange

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