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Lametta tragen – ganz ohne Weihnachten

Redensart/Redewendung

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Bedeutung

sich herausputzen – eitel sein – alle verfügbaren Ehren- und Rangzeichen tragen (speziell beim Militär)

Herkunft

Im Ersten Weltkrieg war unter den niederen Dienstgraden von Christbaumschmuck und später Lametta tragen die Rede, wenn ein Offizier mit gar zu viel „Firlefanz“ (Orden) auf der Brust umherstolzierte. Selbstverständlich wurde nur hinter vorgehaltener Hand gefeixt. Alles andere hätte unliebsame Konsequenzen nach sich gezogen. Und in der kaiserlichen Armee boten sich ganz andere Möglichkeiten der Maßregelung und Tyrannei als in der heutigen Bundeswehr. Und erst recht nichts mehr zu feixen gab es, wenn sich die Vorgesetzten durch überzogene und verlustreiche Angriffe Lametta und Ehre verdienen wollten.

Im Zweiten Weltkrieg hingegen wurde Lametta nicht getragen, sondern gegenteilig abgeworfen. Unmittelbar vor Bomberangriffen warfen alliierte Flugzeuge Tonnen von Aluminiumstreifen ab, um die Radarsysteme der Flugabwehr zu verwirren und so die eigenen Maschinen zu schützen. Mit einer reichlichen Prise Galgenhumor wurden diese Metallstreifen der Ähnlichkeit wegen als Lametta bezeichnet und zum Teil sogar tatsächlich als solches verwendet.

Aufs soldatische Leben während des Ersten Weltkriegs verweist auch die Redensart nur Bahnhof verstehen.

Beispiele

„Lustig ist auch, dass der König erheblich mehr Glitzer und Lametta trägt als die Königin.“
„Da lob ich mir den um die Ecke verwandten Prinz aus Hannover, der weniger Lametta trägt, aber wohl besser prügeln und pinkeln kann.“
„Soldatischer Einsatz in Krisengebieten sollte sich allerdings nicht nur in Lametta, sondern auch in barer Münze auszahlen.“
„Hätte die ihr Lametta getragen, es hätte in der Oberseestraße golden geblitzt.“
„Er kann von mir aus Lametta tragen, bis er unter dem Gewicht zusammenbricht, er ist und bleibt in meinen Augen eine Fehlbesetzung.“

Wissenswertes

Der höchste zivile Orden der Bundesrepublik Deutschland ist das Bundesverdienstkreuz. Auf Bundesebene ist das Verdienstkreuz schon allein deswegen der höchste Orden, weil der einzige. Dafür gibt es ihn in drei Klassen und acht Stufen. Zudem gibt es noch als unterste Stufe die Verdienstmedaille.

Das Große Verdienstkreuz in Herrenausführung
Eingeführt wurde das BVK 1951 vom damaligen Bundespräsidenten Theodor Heuss, der damit „[…] Leistungen, die im Bereich der politischen, der wirtschaftlich-sozialen und der geistigen Arbeit dem Wiederaufbau des Vaterlandes dienten […]“ auszeichnen wollte. Seitdem wurden über 210.000 Verdienstkreuze verliehen.

Theoretisch hat jeder das Recht, bei der Staatskanzlei des jeweiligen Bundeslandes einen Kandidaten für die Verleihung vorzuschlagen. In der Praxis sieht es eher so aus, dass vor allem Behörden, Institutionen und Vereine vom Vorschlagsrecht Gebrauch machen. Seit 2006 gibt es eine Quotenregelung. Bundespräsident Köhler akzeptiert Vorschlagslisten der Länder nur
noch, wenn die Kandidaten zu mindestens 30% aus Frauen bestehen. Über Quotenregelungen kann man vermutlich geteilter Meinung sein. Wie heißt es so schön: Ehre, wem Ehre gebührt.

Lametta tragen – ganz ohne Weihnachten
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