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Auf der Leitung stehen

Redensart/Redewendung

RussischPolnischItalienischSpanischFranzösischEnglisch1) eine lange Leitung haben
RussischPolnischItalienischSpanischFranzösischEnglisch2) auf der Leitung stehen (seltener: sitzen)

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Bedeutung

1) einige Zeit brauchen, um etwas zu verstehen – langsam im Denken sein – begriffsstutzig/dumm/beschränkt sein – schwer von Begriff sein
2) etwas nicht sofort verstehen – (vorübergehend oder in einer bestimmten Angelegenheit) begriffsstutzig und schwer von Begriff sein

Herkunft

Lange Leitung, aber kurze Erklärung… Als die Telegrafie und erst recht das Telefon noch in den Kinderschuhen steckten, litt das Fernmeldewesen an einigen Kinderkrankheiten. Sowohl Qualität als auch Zuverlässigkeit der Übertragung ließen oft zu wünschen übrig. Je größer die Entfernung zwischen Absender und Empfänger war (mit entsprechend langen Leitungen), um so störanfälliger war auch die Verbindung.

Die verwandte Redewendung auf der Leitung stehen rührt von der falschen Vorstellung her, Nachrichten, Gespräche oder Strom ganz im allgemeinen würden körperlich durch die Leitung fließen wie Wasser durch einen Gartenschlauch. Dabei werden lediglich elektrische Impulse – also nicht einmal Schallwellen oder ähnliches – durch die Leitung „geschickt“.

In den meisten Fällen werden beide Redensarten ohne Bedeutungsunterschied und auch nur scherzhaft verwendet. Mitunter lässt sich aber doch ein kleiner, aber feiner Unterschied in der Verwendung ausmachen: Wer eine lange Leitung hat, gilt dann als grundsätzlich (immer) begriffsstutzig im Sinne von dumm. Wer hingegen nur (gerade) auf der Leitung steht, hat lediglich in einer bestimmten Situation vorübergehende Probleme mit dem Verständnis, ohne dass das ein schlechtes Licht auf dessen allgemeine geistige Fähigkeiten werfen würde. Solche Fälle kurzzeitiger „geistiger Verwirrung“ hat jeder schon erlebt.

Beispiele

1)„Um das nicht zu verstehen, muss man schon eine verdammt lange Leitung haben.“
„Die Dame am Telefon hatte eine so unglaublich lange Leitung, dass es mir unmöglich war, ihr mein Problem verständlich zu machen.“
„Jetzt verstehe ich endlich, was mit langer Leitung gemeint ist.“
2) „Du stehst wohl auf der Leitung, oder was?!“
„Das Magazin erklärt, was Sie als Kunde wissen müssen, damit Sie beim Kauf nicht auf der Leitung stehen.“
„Vermutlich sitze ich nur auf der Leitung, aber ich habe mal eine blöde Frage.“

Wissenswertes

Telephon des Philipp Reis

Das Telephon des deutschen Physikers und Erfinders Philipp Reis, dargestellt 1863 in der Zeitschrift „Die Gartenlaube“.

Der Form nach gilt der in Kanada und den USA lebende Schotte Alexander Graham Bell als Erfinder des Telefons. Bell meldete am 14.2.1876 ein solches Gerät zum Patent an. Beim genaueren Hinschauen kommen aber Zweifel auf. So plünderte Bell hemmungslos die Forschungsarbeiten anderer Erfinder aus, die vor ihm ähnliche Apparate entwickelt, aber nicht zum Patent angemeldet hatten (wie der oben erwähnte Philipp Reis) oder sie wie der Italo-Amerikaner Antonio Meucci aus finanziellen Gründen nicht patentieren lassen konnten. Bell brachte mit Glück und Geschick Meuccis Unterlagen an sich und verweigerte eine Herausgabe mit der offensichtlich fadenscheinigen Begründung, sie seien verlorengegangen. Seinen Konkurrenten Elisha Gray nahm Bell aus dem Rennen, indem er ihm beim Patentantrag zwei Stunden zuvorkam. Wer zuerst kommt, mahlt zuerst, werden Sie vielleicht sagen. Was aber, wenn das Gerät, das Bell zum Patent anmeldete, gar nicht funktionsfähig war – im Gegensatz zu dem von Gray entwickelten?! Was, wenn Bells später vorgestelltes Telephon in wichtigen Details eher dem Patentantrag Grays als seinem eigenen entsprach? Gerüchte sprachen von Beamtenbestechung.

Bells Beitrag zur Erfindung des Telefons wirkt zumindest teilweise recht zwielichtig und seine Vorgehensweise ziemlich fragwürdig. Er selbst wird das wohl nicht so gesehen haben. Und Recht hat, wer erfolgreich ist. Zumal Gray und die hinter ihm stehenden Firmen auch keine Kinder von Traurigkeit waren.

Auf der Leitung stehen
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