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Jemandem die Leviten lesen

Redensart/Redewendung

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Bedeutung

jemanden zurechtweisen, ins Gewissen reden, ernsthaft ermahnen, tadeln, zusammenstauchen, zur Ordnung rufen

Herkunft

Wenn Sie etwas gründlicher auf redensarten.net schmökern, wird Ihnen folgender Satz sinngemäß häufiger über den Monitor laufen: Diese Redensart hat ihren Ursprung in der Bibel.

Dem Alten Testament zufolge waren die Leviten, benannt nach ihrem Stammvater Levi, einer der 12 Stämme des Volkes Israel, die alle von den Söhnen Jakobs begründet wurden. Der Stamm der Leviten war für den Tempeldienst verantwortlich und somit auch dafür, dass dabei alle möglichen Vorschriften eingehalten wurden, damit das Volk Israel nicht den Herrn erzürnte. Die Regeln sind ellenlang im 3. Buch Mose (lateinisch: Leviticus) wiedergegeben und gehen oft bis ins kleinste Detail. Vorsichtig formuliert: Sie finden in der Bibel mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit interessantere Abschnitte. Gemeiner ausgedrückt: Leviten lesen als eine Art religiöses Schäfchen zählen bei Einschlafproblemen.

Im Mittelalter mit seinen zahlreichen Klöstern und Glaubensgemeinschaften (Orden) entstand der Brauch, nicht ganz so frommen und züchtigen Geistlichen zur Hebung der Disziplin aus diesem umfassenden Regelwerk vorzutragen. Angeblich war Bischof Chrodegang von Metz (715 – 766) der erste, der durch regelmäßiges Lesen der Leviten seine Geistlichen wieder zur Ordnung rufen wollte.

Dabei dürfte besonders gern auf Kapitel 26 zurückgegriffen worden sein. Dort werden die Strafen für sündiges Verhalten ausgeführt. Kleiner Auszug gefällig oder gar nötig?

„Werdet ihr aber mir nicht gehorchen und nicht tun diese Gebote,
und werdet meine Satzungen verachten, und eure Seele meine Rechte verwerfen, daß ihr nicht folgt allen meinen Geboten, und werdet meinen Bund anstehen lassen, so will ich euch solches tun: Ich will euch heimsuchen mit Schrecken, Schwulst und Fieber, daß eure Angesichte verfallen und der Leib verschmachtet; ihr sollt umsonst euren Samen säen, und eure Feinde sollen ihn fressen […]“ (3. Buch Mose, 26, 14-16)

Beispiele

„Heute lesen sie selbst eifrig die Leviten und verfahren dabei alles andere als zimperlich.“
„Ich glaube, denen muss mal jemand die Leviten lesen!“
„Nach der miserablen ersten Halbzeit las Hoeneß selbst der Mannschaft die Leviten.“
„Es ist nicht zu erkennen, wer hier eigentlich wem die Leviten liest.“
„Es ist in der Vergangenheit nicht eben häufig vorgekommen, dass Staatsgästen im Kirchenstaat derart die Leviten gelesen wurden wie Bush.“

Wissenswertes

Grabstein mit Levitenkrug

Der Krug fungiert als Symbol für die Leviten, weil es u.a. immer noch ihr Vorrecht ist, dem Priester beim Segen zur Hand zu gehen bzw. demselben dabei Wasser über die Hände zu gießen. Man kann den sogenannten Levitenkrug auf Grabsteinen sehen, aber auch an Häusern, in denen Leviten wohnen / gewohnt haben. Zwei Hände wären übrigens das Symbol für einen Priester.

Das Bild wurde freundlicherweise von www.alemannia-judaica.de (Arbeitsgemeinschaft für die Erforschung der Geschichte der Juden im süddeutschen und angrenzenden Raum) bereitgestellt. Dafür an dieser Stelle vielen Dank an Herrn Dr. Hahn.

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