Startseite / Sagen & Fabeln / Wie groß ist der Löwenanteil?

Wie groß ist der Löwenanteil?

Redensart/Redewendung

RussischPolnischItalienischSpanischFranzösischEnglischden Löwenanteil davontragen/bekommen

Werbung

Bedeutung

sich den größten Teil von etwas nehmen bzw. den größten Teil von etwas bekommen

Herkunft

Bild: DiagrammDen Löwenanteil an dieser Redensart trug der altgriechische Fabeldichter Äsop davon, und zwar mit seiner Fabel vom Löwen, der mit anderen Tieren auf die Jagd ging. Viele dem Äsop zugeschriebene Fabeln haben in verschiedenen lateinischen und später auch deutschen Fassungen Antike und Mittelalter überdauert. Eine Bearbeitung Luthers liest sich – in etwas zeitgemäßerer Sprache – so:

Ein Löwe, ein Fuchs und ein Esel jagten miteinander und fingen einen Hirsch. Da hieß der Löwe den Esel das Wildbret teilen. Also machte der Esel drei Teile. Darüber wurde der Löwe zornig und zog dem Esel das Fell über die Ohren. Nun sollte der Fuchs die Beute aufteilen. Der Fuchs gab dem Löwen alle drei Teile. Der Löwe lachte und sprach: Wer hat dich so teilen gelehrt? Der Fuchs zeigte auf den Esel und antwortete: der Esel.

Die Fabel lehret zweierlei: Herren wollen Vorteile haben, und man soll mit ihnen nicht Kirschen essen; sie bewerfen einen mit den Stielen. Und: Der ist ein weiser Mann, der aus dem Unglück eines Anderen Lehren ziehen kann.

Die Bedeutung des Löwenanteils hat sich verändert. Er ist nicht mehr ausschließlich der größte Teil einer Beute, den der Stärkste für sich in Anspruch nimmt und bekommt. In der heutigen Zeit muss man den Löwenanteil an einer Sache leisten oder geben, ob nun an Arbeit, Mühe, Ausgaben. Was in den meisten Fällen bleibt, ist die Ungerechtigkeit, die einer solchen Verteilung innewohnt.

Beispiele

„Einen Teil davon streicht der Staat ein, doch den Löwenanteil bekommen die Städte und Gemeinden.“
„Da wundert es nicht, dass die Amerikaner den Löwenanteil der Aufträge bekamen.“
„Die deutschen Ruderer sicherten sich den Löwenanteil der Medaillen.“
„Zum Ärger der Adoptivtöchter trug jedoch die zweite Ehefrau den Löwenanteil des Erbes davon.“

Wissenswertes

Von der Fabel um den gierigen Löwen gibt es eine andere Version, die ohne den Fuchs auskommt. Der Löwe übernimmt das Aufteilen der Beute selbst. Ein Drittel beansprucht er für sich als dem König der Tiere, das zweite Drittel, weil ihm vom Rest die Hälfte zustehe. Und das letzte nimmt er sich mit der Begründung, dass es dem Esel nur Unglück bringen würde.

Auch andere Redewendungen gehen auf Fabeln Äsops zurück: sich freuen wie ein Schneekönig, im Trüben fischen, sich mit fremden Federn schmücken und auch
sich in die Höhle des Löwen wagen.

Wie groß ist der Löwenanteil?
Diesen Artikel bewerten

Einen Kommentar schreiben

Ihre Email-Adresse wird natürlich nicht veröffentlicht. Die Pflichtfelder sind markiert. *

*

13 − 12 =

x

Das sollten Sie sich auch anschauen.

Sich in die Höhle des Löwen wagen

In der Höhle des Löwens kann es recht ungemütlich werden - und das schon seit rund 2.600 Jahren. Trauen Sie sich trotzdem? Klicken - lesen - wissen!

Wer war Krösus und wie reich war er eigentlich?

Reich wie Krösus sein - wer möchte das nicht? Allerdings war dieser sagenumwobene antike König zu gierig und führte seinen eigenen Untergang herbei.