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Lorbeeren ernten (und sich dann auf ihnen ausruhen?)

Redensart/Redewendung

RussischPolnischItalienischSpanischFranzösischEnglisch1) Lorbeeren ernten (pflücken)
RussischPolnischItalienischSpanischFranzösischEnglisch2) sich auf seinen Lorbeeren ausruhen
RussischPolnischItalienischSpanischFranzösischEnglisch3) Vorschusslorbeeren bekommen/erhalten

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Bedeutung

1) wegen einer herausragenden Leistung gerühmt werden – geehrt werden – Lob und Preise für Erfolge/Siege/Leistungen bekommen; den verdienten Lohn für harte Arbeit erhalten
2) sich nach Erfolgen nicht mehr so anstrengen – sich mit seinen bisherigen Erfolgen zufriedengeben – nicht mehr so hart arbeiten, nachdem man Ziele erreicht hat – träge geworden sein
3) mit Lobreden bedacht werden, obwohl man sein Können noch nicht unter Beweis gestellt und noch nichts geleistet hat

Herkunft

Der immergrüne Lorbeer wächst und gedeiht als Baum und Busch im ganzen Mittelmeerraum, wo er schon im Altertum sehr geschätzt wurde. Die Griechen ernteten die Lorbeeren und auch die Blätter, um ihre Speisen damit zu würzen. Doch (noch) größer als der Nutzwert des Lorbeers war dessen symbolische Bedeutung, galt er doch als heiliger Baum, der in enger Verbindung zu Apollo stand.

Einer griechischen Sage nach wusste sich die hübsch anzuschauende Nymphe Daphne nicht mehr anders vor den ständigen Nachstellungen Apollos zu retten, als sich von ihrem Vater, einem Flussgott, in einen Lorbeerstrauch verwandeln zu lassen. Apollo war darüber sehr traurig und flocht sich aus Zweigen des Strauches einen Kranz, um seine Liebste immer um sich zu haben.[1] Doch heilige Bäume (bspw. Lorbeer, Ölbaum, Eiche) kommen nicht nur in dieser und vielen anderen Sagen vor, sondern wirkten über die Götterverehrung ins tägliche Leben hinein. Bei dem berühmten, Apollo geweihten Orakel von Delphi wuchsen – genau! Und auch bei verschiedenen altgriechischen Wettkämpfen, sportlichen wie künstlerischen, durften die Sieger einen Lorbeerkranz tragen. Allerdings nicht bei den Spielen zu Olympia, bei denen zu Ehren des Göttervaters Zeus der Ölzweig bevorzugt wurde.[2]

römischer Kaiser mit Kranz aus LorbeerDoch nicht nur bei den Griechen, sondern auch bei den Römern standen Lorbeeren und Blätter in hoher Gunst. Feldherren, die in einem der vielen
Kriege einen glänzenden Sieg errangen, wurde die Ehre zuteil, sich und ihre Beute dem Volk in Rom in einem prächtig ausgestatteten Triumphzug zu präsentieren. Bei dieser besonderen Gelegenheit durfte der Triumphator nicht nur die Lorbeeren für seine außergewöhnlichen Taten ernten, sondern sich als Zeichen göttlicher Gunst auch mit dem Laub schmücken. Später nahmen die Kaiser dieses Vorrecht für sich in Anspruch, so wie Antoninus Pius (86 – 161 n. Chr.) auf dem erheblich vergrößerten Denar im Bild rechts.

Auch nach dem Zerfall des Römischen Reiches ließen sich Lorbeeren ernten. So verliehen die Kaiser des Heiligen Römischen Reiches deutscher Nation an besonders begabte Dichter den Titel „poeta laureatus“ (lorbeergekrönter Dichter). Zu den Preis-Trägern gehörten Poeten wie Francesco Petrarca und Ulrich von Hutten.

das Silberne LorbeerblattIm 19. Jahrhundert, der Zeit des erst wachsenden und dann überzogenen Nationalismus´, gab es unter den Deutschen Bestrebungen, die traditionsreichen Lorbeeren vom Thron zu stoßen und durch das heimische Eichenlaub zu ersetzen, z.B. innerhalb der vom sehr patriotischen Friedrich Ludwig Jahn ins Leben gerufenen Turnerbewegung. Mit Erfolg? Nun, die höchste Auszeichnung, die die Bundesrepublik an Sportler zu vergeben hat, ist das – silberne Lorbeerblatt.

Sich auf seinen Lorbeeren ausruhen, das lag einem überquellenden Geist wie dem Johann Wolfgang von Goethes sicher fern, war ihm aber auf jeden Fall bekannt. Die Redensart muss nicht auf seinem Mist gewachsen sein, allein durch das mehrmalige Verwenden trug er aber fraglos seinen Teil zur Verbreitung derselben bei.[3] Unter den in ihrer Zahl kaum zu überblickenden Wendungen und Zitaten, die wir Goethe verdanken, befinden sich auch der rote Faden und Schall und Rauch.

Die Vorschusslorbeeren werden für gewöhnlich und wohl auch zutreffend auf ein Gedicht Heinrich Heines zurückgeführt, in dem es heißt:

„Wahre Prinzen aus Genie-Land
Zahlen baar was sie verzehrt,
Schiller, Goethe, Lessing, Wieland
Haben nie Credit begehrt.

Wollten keine Ovazionen
Von dem Publico auf Pump,
Keine Vorschuß-Lorbeerkronen,
Rühmten sich nicht keck und plump.“[4]

[1] „Jetzo sagte der Gott: Da du mein als Gattin nicht sein kannst, Wenigstens sei als Baum du die Meinige! Immer umwind‘ uns Du das Haar, und die Leier, und du den Köcher, o Lorbeer!“ (Aus den berühmten „Metamorphosen“ des römischen Dichters Ovid, nach einer Übersetzung von Johann Heinrich Voß aus dem Jahr 1798. Als Ganzes zu lesen im Projekt Gutenberg.
[2] Ausführlich zu heiligen Bäumen der alten Griechen, wenn auch nicht mehr auf dem Stand der Forschung: Bötticher, Karl: Der Baumkultus der Hellenen, Weidmannschae Buchhandlung, Berlin 1856
[3] Z.B. hier: „Hierauf sah ich die Gemüther völlig erheitert, und man bewunderte uns beinahe, daß wir eine so große Furcht hatten, es möge irgend jemand auf seinen Lorbeeren einschlafen.“ (Goethe, Johann Wolfgang von: Goethes Werke. Vollständige Ausgabe letzter Hand., Buchhandlung J. G. Cotta, Stuttgart und Tübingen 1829, Bd. 26, S. 330)
[4] Das Gedicht heißt „Plateniden“. Zitiert nach: Heine, Heinrich: Gedichte, Hoffmann und Campe, Hamburg 1851, Bd. 3, S. 152

Beispiele

1) „Aber wenn es darum geht, die Ergebnisse seiner Forschung vor der Öffentlichkeit auszubreiten, sind andere schneller und geschickter und ernten die Lorbeeren.“
„Die Lorbeeren ernten die Fahrer, doch die heimlichen Helden arbeiten in der Boxengasse.“
„Lange genug hat sich von und zu Guttenberg mit fremden Federn geschmückt und Lorbeeren geerntet, die nicht in seinem Garten gewachsen waren.“
2) „Die Wettbewerber brauchen nicht denken, dass wir uns auf unseren Lorbeeren ausruhen werden.“
„Die Mannschaft will sich nicht auf ihren Lorbeeren ausruhen, sondern noch einen draufsetzen.“
„Wer uns kennt, wird wissen, dass wir uns noch nie lange auf unseren Lorbeeren ausgeruht haben.“
3)„Nach seinem Wechsel zu Real Madrid wurde Mesut Özil von der spanischen Presse regelrecht mit Vorschusslorbeeren überschüttet.“
„Obama wurde mit Vorschusslorbeeren bedacht wie wie schon lange kein Präsident der USA mehr.“

Lorbeeren ernten (und sich dann auf ihnen ausruhen?)
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