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Jemandem Sand in die Augen streuen und 7 andere Redensarten

Redensart/Redewendung

RussischPolnischItalienischSpanischFranzösischEnglisch1) jemandem Sand in die Augen streuen
RussischPolnischItalienischSpanischFranzösischEnglisch2) den Kopf in den Sand stecken
RussischPolnischItalienischSpanischFranzösischEnglisch3) wie Sand am Meer
RussischPolnischItalienischSpanischFranzösischEnglisch4) auf Sand gebaut haben; auf Sand gebaut sein
RussischPolnischItalienischSpanischFranzösischEnglisch5) etwas in den Sand setzen
RussischPolnischItalienischSpanischFranzösischEnglisch6) im Sande verlaufen
RussischPolnischItalienischSpanischFranzösischEnglisch7) Sand im Getriebe haben/sein; Sand ins Getriebe streuen
RussischPolnischItalienischSpanischFranzösischEnglisch8) wie Sand durch die Finger rinnen/rieseln

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Bedeutung

1) jemanden täuschen/irreführen – jemandem etwas vormachen/vorspielen – jemandem falsche Tatsachen vorspiegeln
2) eine Gefahr nicht sehen/wahrhaben wollen – der Wirklichkeit ausweichen – sich einem Problem verschließen
3) in Unmengen – im Überfluss – zahllos – mehr als genug
4) sich auf etwas sehr Unsicheres verlassen (haben); Sehr unsicher sein – zum Scheitern verurteilt sein – keine gute/sichere Grundlage haben
5) etwas verlieren/einbüßen; mit etwas einen Misserfolg haben und scheitern
6) zu keinem Ergebnis gebracht werden – nicht weiter verfolgt werden – nach und nach aufgegeben werden – langsam vergessen werden – ohne Wirkung bleiben
7) nicht mehr richtig funktionieren; ein Hindernis sein; jemanden bei einem Vorhaben stören/behindern
8) etwas nicht greifen/(zusammen)halten können

Herkunft

Bei der Redensart jemandem Sand in die Augen streuen fällt es schwer, einen klaren Blick zu behalten. Etwas wirklich Genaues zur Herleitung weiß kaum jemand beizutragen. Schon im 18. Jahrhundert wird zur Erklärung nur recht unbestimmt auf den nicht ganz ehrenwerten Trick verwiesen, dem Gegner beim Ringen, Fechten oder ähnlichen Zweikämpfen Sand oder Dreck in die Augen zu werfen oder wenigstens unter Beachtung der Windrichtung aufzuwirbeln, auf dass dieser nichts mehr sehen und überwältigt werden kann.[1] Man wird dann gedanklich schnell auf antike Gladiatorenkämpfe in sandigen Arenen kommen und sich nicht wundern, dass es einen passenden lateinischen Ausdruck gibt: pulverem ob oculos aspergere colosseumbzw. pulverem oculis offundere. Für einen solchen Ursprung spricht immerhin, dass die Redensart in alten Büchern wenn nicht ausschließlich, so zumindest auch in der Form „einem Sand in die Augen werfen“ geführt wird.[2]

Auch die antiken olympischen Spiele werden zur Herleitung der Redensart angeführt. Bei Wagenrennen auf sandigen Rennbahnen wirbelten die vordersten Wagen viel Sand/Staub auf, den die nachfolgenden Wagenlenker in die Augen bekamen und die Bahn wegen der Staubwolken sowieso kaum noch zu erkennen war.[3]

Andernorts wird die Redewendung unter Rückgriff auf sehr alte Zeitungsberichte mit selbsternannten Wundermedizinern in Verbindung gebracht. Diese hätten mit sandartigen Wunderpulvern gegen alle Arten von Augenleiden (einschließlich völliger Blindheit), das man sich zur Heilung in die Augen streuen sollte, viel Schaden angerichtet (wiederum bis zur völligen Blindheit).[4]

Kopf im SandZu den Kopf in den Sand stecken, auch Vogel-Strauß-Taktik/Strategie/Politik genannt: Wer kennt sie nicht, die Geschichte vom dummen (Afrikanischen) Strauß, der bei Gefahr angeblich den Kopf in den Sand steckt, in der Hoffnung, wenn er die Gefahr nicht mehr sähe, sei sie auch nicht mehr vorhanden. Die Natur hat sich wirklich viele ebenso wundersame wie geniale und erfolgreiche Verhaltensweisen und Überlebensstrategien „ausgedacht“, aber ein Tier mit einem solch „törichten“ Verhalten wäre wohl längst von seinen natürlichen Feinden ausgerottet worden. Außerdem kann der Strauß auf erfolgversprechendere Taktiken zurückgreifen. Erstens bringt er es mit seinen kräftigen Beinen auf bis zu 70 km/h, was völlig ausreicht, um den meisten Jägern die Hacken zu zeigen. Zweitens – wenn Flucht nicht so leicht möglich ist, etwa bei der Verteidigung des Geleges gegen Nesträuber – kann das Federvieh auch sehr angriffslustig sein und mit seinen mächtigen, mit Krallen bewährten Zehen erhebliche und sogar tödliche Verletzungen verursachen. Insbesondere brütende Strauße haben aber noch ein anderes instinktives Verhalten zur Gefahrenabwehr: sich flach auf den Boden legen, um im Gras nicht aus größeren Entfernungen nicht mehr sichtbar zu sein.[5] Vermutlich liegt hier der Ursprung der Legende vom in den Sand gesteckten Kopf.

Festgehalten sei: Wer den Kopf in den Sand steckt, der knirscht bald mit den Zähnen…

Die Redewendungen wie Sand am Meer und auf Sand bauen lassen sich an mehreren Stellen der Bibel finden und haben von dort aus Verbreitung gefunden. Ein Beispiel soll genügen: „Also schüttete Joseph das Getreide auf, über die Maßen viel, wie Sand am Meer, so dass er aufhörte zu zählen; denn man konnte es nicht zählen.“[6] Im Matthäus-Evangelium lesen wir die Geschichte vom törichten Mann, der sein Haus auf Sand baute, so dass es beim ersten Unwetter in sich zusammenfiel.[7]

Mechanische Getriebe (z.B. das klassische Zahnradgetriebe) müssen – wortwörtlich – reibungslos arbeiten können. Hohe Reibung, verursacht durch Dreck oder Sand im Getriebe, führt nicht nur zu einem hohen Verschleiß, sondern kann auch eine Blockade verursachen oder das Getriebe sogar zerstören. Bspw. beim Fahrrad hängt die Laufleistung der Kettenblätter, Ritzel und der Kette ganz erheblich von der Wartung und dem befahrenen Gelände ab.

[1] Adelung, J.C.: Grammatisch-kritisches Wörterbuch der Hochdeutschen Mundart, Wien 1808, Dritter Theil, S. 1272
[2] Siehe z.B. Gottsched, J.Ch.: Vollständigere und Neuerläuterte deutsche Sprachkunst, Wien 1775, S. 541
[3] So bspw. Wander, K.F.W.: Deutsches Sprichwörter-Lexikon, Brockhaus, Leipzg 1873, Bd. 3, Sp. 1862
[4] Vgl. Wanzeck, Christiane: Zur Etymologie lexikalisierter Farbwortverbindungen, Rodopi, New York 2002, S. 283 f.
[5] Bei Gefahr regungslos am Boden zu verharren, ist u.a. auch von unseren Rehkitzen bekannt, was dazu führt, dass viele von Erntemaschinen verletzt werden.
[6] Altes Testament, 1. Buch Mose, Kapitel 41, Vers 49; siehe auch AT 1. Samuel, 13, 5
[7] Neues Testament, Matthäus, Kapitel 7, Verse 26, 27

Beispiele

1) „Die Erfolge der letzten Saison haben dem einen oder anderen Sand in die Augen gestreut.“
„Mit solchen Aussagen streuen wir uns doch nur selbst Sand in die Augen.“
2) „Es steht einfach zu viel auf dem Spiel, als dass man einfach den Kopf in den Sand stecken dürfte.“
„Sollten die verantwortlichen Stellen weiterhin den Kopf in den Sand stecken, erwartet uns spätestens im nächsten Jahr eine Katastrophe.“
3) „Es gibt Leute, und zwar wie Sand am Meer, die allen Ernstes meinen, gleich nach den Politikern seien Journalisten an allen Übeln dieser Welt schuld.“
„Restaurants und Cafés gibt es in Prag wie Sand am Meer.“
4) „Auch der neue Papst weiß, dass die Kirche in einer Krise steckt, zur Zeit eher auf Sand als auf Fels gebaut ist.“
„Man wollte sehr schnell sehr hoch hinaus und hat dabei doch nur auf Sand gebaut.“
5) „Es häufen sich Berichte über Jugendliche, die im Internet mehrere tausend Euro in den Sand gesetzt haben und in ihrer Not schließlich sogar kriminell werden.“
„Nationen können in heutiger Zeit, wo Banken Milliarden in den Sand setzen, schnell in Schwierigkeiten geraten.“
6) „Letztendlich sind alle Gespräche über eine Einigung im Sande verlaufen.“
„Angesichts der hohen Kosten verlief das Projekt wie erwartet im Sand.“
7) „Einerseits schreitet die Globalisierung unaufhaltsam voran und verbreitet ein Gefühl der Ohnmacht, andererseits war es nie leichter, gegen den Strom zu schwimmen und Sand im Getriebe der Gesellschaft zu sein.“
„Ich bin glücklich über den Auswärtssieg, sehe aber auch, dass noch viel Sand im Getriebe war.“
8) „Er wird es nie zu etwas bringen, weil ihm das Geld immer wie Sand durch die Finger rinnt.“
„Aufschreiben hilft, wenn ihnen Gedanken wie Sand durch die Finger rieseln.“

Wissenswertes

Sandburg

Vermutlich haben Sie sich noch nie Gedanken darüber gemacht, dass Sand augenscheinlich vor allem in Gebieten vorkommt, die gegensätzlicher kaum sein könnten; zum einen dort, wo es so gut wie überhaupt kein Wasser gibt – in Wüsten, zum anderen dort, wo es Wasser ohne Ende gibt – am/im Meer bzw. in/an Seen und in Flüssen.

Sand entsteht durch die Verwitterung anderer Gesteine, die Jahrhunderte und Jahrtausende und noch viel länger „Wind und Wetter“ ausgesetzt sind. Wind und Wasser (Steter Tropfen höhlt den Stein.), aber auch Temperaturschwankungen und noch einige andere Faktoren bis hin zu chemischen Prozessen spielen dabei eine Rolle.

Wasser und Wind sind zugleich auch für den Transport und die Ablagerung zuständig. Und da Flüsse & Co. im Regelfall irgendwann irgendwo in einem größeren Gewässer enden, landet der Sand in Seen und Meeren. Wo es kein fließendes Wasser gibt, bleibt nur der Wind als Transportmittel.

Sand ist ein wichtiger Rohstoff in der Bauindustrie und bei der Glasherstellung. Vogelsand, Sandsäcke, Bremssand für Schienenfahrzeuge, Streusand gegen Glatteis und ähnlichen Krimskram wollen wir großzügig unter den Tisch fallen lassen oder – was sich bei Sand besser macht – unter den Teppich kehren. Hält man sich die Ausbreitung der Wüsten vor Augen, dürfte uns dieser Rohstoff im Gegensatz zu fossilen Brennstoffen so schnell nicht ausgehen. (Wobei die klassischen Sandwüsten freilich nur einen verhältnismäßig kleinen Teil aller Wüsten ausmachen.)

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