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Die Segel streichen – ganz ohne Farbe

Redensart/Redewendung

RussischPolnischItalienischSpanischFranzösischEnglisch1) die Segel streichen
RussischPolnischItalienischSpanischFranzösischEnglisch2) mit vollen Segeln (fahren)

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Bedeutung

1) nachgeben – sich geschlagen geben – sich unterordnen/unterwerfen – keinen Widerstand mehr leisten – einen Kampf aufgeben – eine Niederlage eingestehen – die Überlegenheit eines anderen anerkennen; ein Vorhaben aufgeben
2) mit ganzer Kraft – unter Einsatz aller Mittel

Herkunft

Die Segel streichen ist eine Arbeit, die Maler und Lackierer vor einige Probleme stellen dürfte, wollte man streichen auch in dieser Wendung als anderes Wort für malern, mit Farbe überziehen u.ä. verstehen. Aber in der Seemanssprache bedeutet die Segel streichen, dass man die Segel einholt, sie zusammenfaltet, so dass sie dem Wind keine Angriffsfläche mehr bieten.

Zum Streichen der Segel gibt es ganz unterschiedliche Gelegenheiten. Am Ankerplatz (oder) im Hafen werden alle Segel eingeholt, damit das Schiff keine Fahrt mehr macht. Will der Autofahrer seinen Wagen parken, schaltet er schließlich auch den Motor aus. Im Sturm werden die Segel eingeholt, damit der Wind sie nicht zerfetzt oder gar der Mast bricht. Weiterhin gibt/gab es den Brauch, zum Gruß an andere Schiffe, denen man auf See begegnete, die Flagge oder ein Segel zu streichen. Dabei hatte man recht genaue Vorstellungen darüber, wer wen wie zuerst zu grüßen hatte und warum.[1] Viertens und schlussendlich galt es in Kriegen oder auch im Kampf mit Piraten als Zeichen der Aufgabe, alle Segel zu streichen.[2] Ohne gesetzte Segel war eine Flucht nicht (mehr) möglich. Der Gegner konnte so ohne Mühe (noch) näherkommen und mit dem unterlegenen Schiff tun, was ihm beliebte.

[1] „2) eine Art der Begrüßung oder Ehrenbezeigung, welche ein Schiff einem größeren Schiffe, welches ihm begegnet, oder auch einem Schiffe einer mächtigeren Nation, oder einem Castell, in dessen Schußweite es kommt, beweiset, besteht meistens in dem herablassen der obersten Flagge oder des Topsegels;“ (Pierer, Heinrich August: Universal-Lexikon oder vollständiges encyclopädisches Wörterbuch, Altenburg 1835, Bd. 20, S. 537)
[2] Derselbe mußte, von drei feindlichen Schiffen beschossen, die Segel streichen, jedoch nicht früher, als bis dem Admiral die Nachricht zukam, daß auf dem Posten der Chirurgen kein Platz mehr sey und daß im unteren Raume das Wasser schon sechs Fuß hoch stehe. (Magazin für die Literatur des Auslandes, Berlin 1841, Nummer 65, S. 1)

Beispiele

1) „Die deutschen Fuhrunternehmen gaben die Mehrkosten entweder an die Kunden weiter oder strichen die Segel.“
„Wie erwartet muss Werder im Achtelfinale die Segel streichen.“
„Der führende Petter Solberg stieß mit einem Känguru zusammen und musste vorzeitig die Segel streichen.“
2) „Die jüngsten Geschäftszahlen verraten, dass das Unternehmen mit vollen Segeln auf Erfolgskurs ist.“
„Eine gute Homepage sollte auch ohne Javascript funktionieren, da nicht jeder mit vollen Segeln durchs Internet fahren will.“

Die Segel streichen – ganz ohne Farbe
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