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Sein Schäfchen ins Trockene bringen

Redensart/Redewendung

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Bedeutung

seinen Besitz/Gewinn in Sicherheit bringen – auf seinen Vorteil bedacht sein – sich (auf Kosten anderer) bereichern – einen Vorteil ausnutzen – eine Gelegenheit wahrnehmen

Diese Redensart wird oft verwendet, wenn ausgedrückt werden soll, dass jemand auf gesetzlich/moralisch fragwürdige Weise vorgeht.

Herkunft

Seit über 5.000 Jahren blöken Schafe in Mitteleuropa als Nutztiere umher. Genug Gelegenheiten also, sein Schäfchen ins Trockene zu bringen.

Die Frage, an der sich die Geister scheiden, lautet, wieso man sein Schäfchen überhaupt ins Trockene bringen sollte? Eigentlich zeichnen sich Schafe gerade dadurch aus, dass ihr Fell dicht und fettig genug ist, um Wind und Wetter zu trotzen.

Auf diese Frage gibt es nicht die eine Antwort. Ganz im Gegenteil. Im Laufe der reichlich 100 Jahre, in denen man schon versucht, die Herkunft der Redensart zu klären, sind eine ganze Reihe Deutungen unters Volk gebracht worden, von denen nur die am wahrscheinlichsten klingenden hier angeführt werden.

In alten Büchern wird ganz allgemein sowie lang und breit dargelegt, wieso Feuchtigkeit und Nässe der Gesundheit der Schäfchen trotz des wetterfesten Fells schaden sollen.[1] Ein Grund, die wetterfesten Schäfchen doch lieber ins Trockene zu bringen, soll der Leberegel gewesen sein, der vor allem in Sumpfgebieten und Gewässernähe vorkommt und die nicht nur für Schafe gefährliche Egelkrankheit verbreitet hat.[2] Tier und Seuche sind kein Hirngespinst, sondern haben haben immer wieder Schafzüchter in die Verzweiflung und den Ruin getrieben.[3]

Bild: Schafe vor LeuchtturmEin anderer Ansatz verlegt den Ursprung Redensart an die Nordseeküste, an der Schäfer ihre Tiere besonders gern das zarte Gras der Schwemmlandwiesen weiden ließen. Diese Wiesen waren aber nur bei Ebbe frei von Wasser. Sorge der Schäfer sei gewesen, ihre Schäfchen – im Norden schäpken genannt – rechtzeitig vor der rasch steigenden Flut wieder aufs/ins Trockene zu bringen.[4]

In vielen älteren Büchern wird die Ansicht gepflegt, das redensartliche Schäfchen sei gar kein Schäfchen, sondern eigentlich ein Schiffchen, niederdeutsch schepken. Demnach hätten die Küstenfischer bei vielen Gelegenheiten ihre schepken aufs Trockene gebracht, sei es, um sie vor Stürmen zu schützen, sei es zur Winterszeit, wenn an Fischfang nicht zu denken war. Da der Binnenländer aber mit dem norddeutschen Wort schepken nichts anzufangen wusste, sei eben Schäfchen daraus gemacht worden.[4][5]

Das Lexikon der sprichwörtlichen Redensarten von Lutz Röhrich lehnt diese Deutung mit der Begründung ab, dass die Redensart vom trockenen Schäfchen schon frühzeitig in Regionen fern der Küsten aufgekommen sei. Ausgangspunkt müsse also die bäuerliche Welt sein.[2]

Was nun, Schiff oder Schaf, dieses am Meere oder jenes im Landesinneren? Das ließe sich wohl nur durch eine umfassende Sammlung und Prüfung aller alten Belegstellen klären. Wenn Sie also einige Monate Zeit haben und Langeweile verspüren… Bis dahin gilt wohl, dass sich beide Fassungen einigermaßen schlüssig begründen lassen.

[1] z.B. in Zedler, Johann Heinrich: Grosses vollständiges Universallexicon aller Wissenschafften und Künste, Halle und Leipzig 1732 – 1754, Bd. 34, Spalte 622
Bild: Schäfchen[2] Röhrich, Lutz: Lexikon der sprichwörtlichen Redensarten, 7. Auflage, Herder Verlag, Freiburg – Basel – Wien 1994, Bd. 3, S. 1295 f.
[3] siehe www.leberegel.de
[4] Wülfing, J. Ernst: Was mancher nicht weiß. Sprachliche Plaudereien, 2. Auflage, Verlag Hermann Costenoble,
Jena 1905, S. 10 ff.
[5] Schrader, Herman: Der Bilderschmuck der deutschen Sprache in Tausenden volkstümlicher Redensarten, 7. Auflage,
Verlag Emil Felber, Berlin 1912, S. 379 f.

Beispiele

„Wer sich nur halbherzig einsetzt und ganz offenkundig nur sein Schäfchen ins Trockene bringen will, der braucht sich über Anfeindungen nicht wundern.“
„Typen wie er wissen ihr Schäfchen ins Trockene zu bringen.“
„Als die Insolvenz nicht mehr abzuwenden war, hatten die Manager längst ihre Schäfchen ins Trockene gebracht.“
„Sie muss sich den Vorwurf gefallen lassen, erst dann den Mund aufgemacht zu haben, als sie selbst ihr Schäfchen längst im Trockenen hatte.“

Sein Schäfchen ins Trockene bringen
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