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Etwas vom Stapel lassen

Redensart/Redewendung

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Bedeutung

1) wörtlich: ein Schiff zu Wasser lassen; übertragen: etwas neu herausbringen – etwas in Verkehr bringen
2) etwas Unpassendes/Gemeines/Unverschämtes/Ungehöriges/Empörendes sagen – etwas sagen, das der Situation nach unangenehm überrascht und beim Umfeld auf Ablehnung stößt

Herkunft

Der Hinweis, dass die Redensart „etwas vom Stapel lassen“ eine Verkürzung aus „etwas vom Stapel laufen lassen“ darstellt, wird Sie auf Kurs bringen, weil Sie so gedanklich nicht einmal mehr eine Seemeile bis zum Stapellauf pullen (rudern) müssen.

Das Wort Stapel kennen wir im Hochdeutschen seit dem 15. Jahrhundert und verbinden damit meistens Dinge, die aufgeschichtet, übereinander gestapelt wurden, ein Stapel Bücher auf einem Schreibtisch zum Beispiel. Im Niederdeutschen bedeutet(e) Stapel darüber hinaus und sogar eher Pfosten, Block, Stütze, Unterlage und – endlich – im Zusammenhang mit dem Schiffbau Gerüst/Gestell aus Holzblöcken als Unterlage eines Schiffskörpers.[1] Auf diesen Stapeln wird von Boden und Kiel (gewissermaßen das Rückgrat eines Schiffes) ausgehend der Rumpf gezimmert. Der fertige Schiffsrumpf gleitet auf und von den Stapeln ins Wasser, aber erst, nachdem dem Schiff bei der Schiffstaufe alle guten Wünsche mitgegeben wurden.

Glück und Geschick sind nicht erst auf hoher See, sondern schon beim Stapellauf von nöten, da gerade bei sehr großen und somit schweren Schiffen ein Stapellauf, der für längs, aber auch für quer erfolgen kann, einige technische Probleme mit sich bringt. So setzt bspw. der Übergang von der Rampe auf die gerade Wasserfläche das Material sehr hohen Belastungen aus. Außerdem mindert die nicht restlos steuerbare Bewegung auf der Rampe den seitlichen Halt, so dass das Schiff doch noch umkippen kann. Derartige Missgeschicke waren keine Seltenheit. Dies kann in modernen Werften u.a. dadurch verhindert werden, dass das Schiff in einem Trockendock, einem riesigen Wasserbecken, gebaut wird. In dieses Becken wird das Wasser aber erst nach dem Ende des Baus eingelassen.

[1] Vgl. Duden-Reihe, Bd.7, Herkunftswörterbuch, 3. Auflage, Dudenverlag, Mannheim, Leipzig, Wien, Zürich 2001, S. 799

Beispiele

1) „In drei Wochen lässt Porsche endlich den Panamera vom Stapel.“
„Kenner befürchten, dass Microsoft die Augen verschließt und seine Produkte mit bedenklichen Sicherheitslücken vom Stapel lässt.“
2) „Es ist nicht zu glauben, was hier einige ohne jeden Beweis vom Stapel lassen!“
„Was sie hier vom Stapel lassen, ist höchst diskriminierend und voller Vorurteile.“
„Es macht viel Spaß zu lesen, welche Torheiten Spieler, Trainer und Reporter vom Stapel gelassen haben.“

Wissenswertes

Ein Schiff vom Stapel lassen

Stapellauf der SMS Radetzky im Jahr 1912. Noch ruht der Schiffskörper auf dem Holzgerüst.

Bild: Gsida

Etwas vom Stapel lassen
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