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Torschlusspanik bekommen

Redensart/Redewendung

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Bedeutung

Angst haben, zu spät zu kommen – sich davor fürchten, etwas Wichtiges zu verpassen; insbesondere/ursprünglich von unverheirateten Männern und Frauen mittleren Alters, die Angst haben, keinen Lebenspartner mehr abzubekommen

Herkunft

Torschlusspanik meinte ursprünglich die Angst, man könnte zu spät kommen und vor bereits verschlossenen Stadttoren stehen.

Im Mittelalter, aber auch später noch, waren die meisten Städte von einer Stadtmauer umgeben. Hinein oder hinaus konnte man nur durch die Stadttore. Am Tage war das auch kein großes Problem. Aber mit der Dunkelheit wurden die Tore zum Schutz vor allerlei Gesindel geschlossen. Dann war es für ankommende Reisende oder Händler nicht mehr so einfach, in die schützende Stadt zu gelangen. Ein vergleichsweise geringes Übel war noch die Gebühr, die vielerorts für den verspäteten Einlass anfiel. Schlimmer weil gefährlicher war es, die Tore nicht mehr passieren zu dürfen und außerhalb der Stadt übernachten zu müssen.

Die Torschlusspanik ist allerdings keine mittelalterliche Redensart, sondern wohl erst in späterer Zeit (19. Jahrhundert) entstanden. Auf das Schließen der Stadttore spielt auch die Redensart „kurz vor Toresschluss“ (im letzten Augenblick, gerade noch rechtzeitig) an.

Beispiele

„Der eine oder andere hat schon Torschlusspanik, weil noch immer keine namhaften Neuverpflichtungen gelungen sind.“
„Auch wenn die Zeit langsam knapp wird, dürfen wir nicht in Torschlusspanik verfallen.“
„Das Durcheinander der letzten Tage deutet darauf hin, dass in der Regierung Torschlusspanik herrscht.“
„Der Minister sieht keinen Grund für Torschlusspanik.“

Wissenswertes

Holstentor in Lübeck

Eines der bekanntesten Stadttore ist zweifellos das Holstentor in Lübeck. Es gilt heute als das Wahrzeichen der Stadt und findet sich auch oft im Portemonnaie in Gestalt eines Zwei-Euro-Stückes.

Dabei ist das Holstentor neben dem nicht ganz so beeindruckenden Burgtor lediglich das letzte verbliebene einer Reihe repräsentativer und mächtiger Tore, die Lübeck einst zierten und schützten. Spätestens im Zeitalter der Industrialisierung standen die nutzlos gewordenen Bauwerke aber wichtigen Bauvorhaben im Wege und wurden einfach abgerissen. Auch das Holstentor hätte es fast erwischt. 1863 beschloss die Lübecker Bürgerschaft mit nur einer Stimme Mehrheit, das Tor nicht abzureißen.

Trotzdem sah es für das Holstentor nicht gut aus. Wegen einiger Fehler beim Bau sackte es über Jahrhunderte immer weiter ab, bis zuletzt die untersten Schießscharten bereits im Boden versunken waren und es immer noch sind. Außerdem nahm die Neigung so stark zu, dass man einen Einsturz befürchtete. Mehrere arbeits- und kostenreiche Restaurierungen waren nötig, um den beeindruckenden Torbau wieder in alter Pracht erstrahlen zu lassen.

Seit vielen Jahrzehnten beherbergt das Holstentor das Museum für Stadtgeschichte und ist fraglos einen Besuch wert.

Torschlusspanik bekommen
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