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(Keine) Umstände machen

Redensart/Redewendung

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Bedeutung

(keinen) unnötigen Aufwand verursachen – (keine) Mühe bereiten – (nicht) umständlich vorgehen – etwas Wichtiges unnötig mit Unwichtigem verzögern

Herkunft

In einigen Fachbüchern zum Thema Redewendungen wird für (keine) Umstände machen auf altdeutsche, gar germanische Rechtsbräuche verwiesen.

Bei den Germanen waren Gerichtsversammlungen üblich, an denen die ganze Gemeinschaft teilnahm oder dies wenigstens durfte. Diese Gemeinschaft umfasste freilich nur alle freien Männer und entspricht nicht ganz unseren heutigen Vorstellungen. Die für eine Verhandlung Versammelten und Umherstehenden bildeten den sogenannten Umstand (altdeutsch: umbestant).[1] Die Anwesenden waren aber keine rechtlosen Zuschauer. Jeder Freie aus dem Umstand konnte ein Urteil schelten (anfechten), gewissermaßen Umstände machen. Umstände machen bedeutete damals also, eine Gerichtsverhandlung in die Länge zu ziehen.[2]

So schlüssig diese Herleitung klingen mag, ist sie doch mit etwas Vorsicht zu genießen. Das „Lexikon der sprichwörtlichen Redensarten“ lehnt sie ab und sieht in den redensartlichen Umständen lediglich eine Übersetzung des lateinischen circumstantia (die umherstehende Menge; in der Mehrzahl und in übertragener: die besonderen Verhältnisse, die etwas umgeben). Als nicht von der Hand zu weisendes Argument wird angeführt, dass die Redensart erst im 16. Jahrhundert aufkam, zu einer Zeit also, in der die meisten alten Stammesbräuche nicht mehr gepflegt wurden. Die Rechtsordnung war längst eine andere.[3]

Diese Frage, ob alte Rechtsbräuche oder das Lateinische der Ausgangspunkt waren, steht auch bei verwandten Redensarten wie „den Umständen Rechnung tragen“ oder „sich nach den Umständen richten“ im Raum. Zu den hier erwähnten Gerichtsversammlungen gehört auch die Redewendung stehenden Fußes bzw. stante pede.

[1] Krack; Dr. Karl Erich: Redensarten unter die Lupe genommen, Verlag F.W. Peters, Berlin 1961, S. 182 f.
[2] Mackensen, Lutz: Zitate – Redensarten – Sprichwörter, Fackelverlag, Brugg – Stuttgart – Salzburg 1973, S. 730
[3] Röhrich, Lutz: Lexikon der sprichwörtlichen Redensarten, 7. Auflage, Herder Verlag, Freiburg – Basel – Wien 1994, Bd. 3, S. 1658 f.

(Keine) Umstände machen
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