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Xanthippe – die Mutter aller Streitlust

Redensart/Redewendung

RussischPolnischItalienischSpanischFranzösischEnglischeine (wahre) Xanthippe sein

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Bedeutung

eine streitsüchtige/bösartige/zänkische/übellaunige Frau sein

Herkunft

Xanthippe war die Frau des berühmten Athener Philosophen Sokrates (469 – 399 v. Chr.). Vor allem dank der überlieferten Werke des Schriftstellers und Philosophen Xenophon ging Xanthippe als streitsüchtiges und zänkisches Weibsbild, das ihrem Mann das Leben vergällt und zur Hölle macht, in die Weltliteratur (wenigstens die europäische) ein und brachte es sogar zur eigenen Redewendung.

Xenophon gibt z.B. ein angebliches Gespräch zwischen Sokrates und dessen Sohn Lamprokles über Xanthippe wie folgt wieder:


„Lamprokles: Wohl! Und wenn sie (meine Mutter) auch alles, was du sagtest und noch viel mehr dergleichen getan hat, so ist´s doch nicht menschenmöglich, eine Gemütsart wie die ihrige auszustehen.
Sokrates: Du denkst doch nicht, dass eine Mutter noch ärgere Mucken haben könne als ein Tier?
Lamprokles: Eine solche Mutter ganz gewiss.
Sokrates: Hat sie dich denn jemals gebissen oder gegen dich ausgeschlagen?
Lamprokles: Das eben nicht, aber sie macht´s noch ärger; sie sagt einem Dinge, die kein Mensch in seinem ganzen Leben hören möchte.“

Es sei allerdings hinzugefügt, dass Sokrates sein Eheweib verteidigt und seinen Sohn davon zu überzeugen sucht, dass seine Mutter nur das Beste für ihn wolle und es im Herzen gut mit ihm meine – und mochte sie noch so eine Xanthippe sein.

Xenophon überliefert auch eine Frage des Antisthenes, Schüler und Anhänger des Sokrates, an seinen Meister:

„Wenn, wie du sagst, ein Mann seine Frau bilden kann wie er will, Sokrates, warum hast dann du die deine, die von allen Widerbellerinnen, die ehemals lebten, jetzt leben, und künftig leben werden, die unerträglichste ist, nicht zu einem zahmem und mildern Wesen umgebildet?“

Dieses Zitat spiegelt auch anschaulich die allgemeine und schlechte Meinung über Frauen wider, denen ein Sinn für Philosophie und andere Wissenschaften abgesprochen wurde. Und nicht nur in der Antike waren Frauen Menschen zweiter Klasse. So sind auch einige berühmte Philosophen jüngeren Baujahres ausgesprochene Frauenhasser gewesen. Als (Parade)Beispiel sei Arthur Schopenhauer (1788 – 1860) genannt.

Die zugebenermaßen nicht ganz einfache Schreibweise Xanthippe wurde im Volksmund zur Zanktippe umgedeutet, was sinnigerweise das Wort Zank enthält.

Beispiele

„Wenn es auf Arbeit schlecht gelaufen ist, wird meine Frau zur wahren Xanthippe.“
„Ich bin zwar grundsätzlich gegen Gewalt, aber dieser Zanktippe würde ich gar zu gern das Maul stopfen.“
„Ausgerechnet diese Xanthippe soll in Zukunft für das Personal verantwortlich sein?“
„Diese Frau hätte der Xanthippe locker das Wasser reichen können.“
„Und plötzlich begann diese bis dahin schüchtern wirkende Dame gleich der Xanthippe vom Leder zu ziehen.“

Wissenswertes

Xanthippe gießt den Nachttopf über ihrem Mann aus.

Xanthippe übergoss ihren Mann Sokrates nicht nur mit Gekeife, sondern der Sage nach auch mit dem Inhalt eines Nachttopfes, wie auf dem Bild aus dem beginnenden 17. Jahrhundert dargestellt.

Xanthippe – die Mutter aller Streitlust
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